Beim Europagespräch im Gymnasium Damme geht es um den Frieden

12. März 2024Allgemein, Bildungsangebote, Europaschule, Schulleben

Die Schule hatte Gesprächsteilnehmer aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens eingeladen. Sie befassten sich auch mit dem Thema Extremismus und dem, was eine Demokratie aushalten muss.

Mit nichts Geringerem als dem „Frieden in Europa“ befasste sich das jüngste Europagespräch im Dammer Gymnasium. „Wir müssen wieder an den Frieden glauben und die Demokratie schützen“, gab der Osnabrücker Aktionskünstler Volker-Johannes Trieb den Weg vor.

Ihn hatten die Verantwortlichen im Gymnasium um Schulleiter Ludger Kässens und Studiendirektor Michael Hansen ebenso eingeladen wie Dr. Sven Jürgensen, Literaturwissenschaftler und Leiter des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums in Osnabrück; die Oberstudienrätin Meike Stangenberg als Vertreterin des Gymnasiums und Verantwortliche des Frankreichaustauschs sowie Sigrid Litzenburger als Vertreterin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg. Die Moderation übernahmen aus dem Kollegium Jörn Eilers und Julius Zepter.

Litzenburger betont Bedeutung der unveräußerlichen Rechte der Menschen

Die Teilnehmer näherten sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven dem Thema. Sigrid Litzenburger erinnerte an die Gründung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg und der Schoa, der Ermordung von Millionen von Menschen jüdischen Glaubens durch die Nationalsozialisten. Die Gesellschaft sei damals mit amerikanischer Hilfe als Teil des Erziehungsprogramms zur Demokratie und zum Frieden entstanden.

Eines ihrer wichtigen Ziele sei es heute, immer wieder darauf hinzuweisen, dass jeder Mensch unveräußerliche Rechte hat, sagte Sigrid Litzenburger. Wenn das den Menschen bewusst sei, dann sei das ein erster Schritt auf dem Weg zum Frieden.

Bürger sollen sich gegen Extremismus positionieren

Auf die Frage einer Schülerin, warum Deutschland als demokratischer Staat Rechtsextremismus zulasse, antwortete eine in dem Moment sehr nachdenklich wirkende Sigrid Litzenburger, die bis zur Pensionierung als Studiendirektorin am Gymnasium tätig war: „Es gehört zum Wesen einer Demokratie, dass auch Meinungen geäußert werden dürfen, die nicht in Ordnung sind.“ Demokraten müssten extreme Positionen ertragen. Es sei nicht möglich, den Menschen ihre Meinung zu verbieten. Aber die Bürger könnten und sollten sich öffentlich gegen Extremismus positionieren.
Meike Stangenberg ergänzte, es wäre viel gefährlicher, wenn sich extremistische Ansichten nur noch in einer Art Untergrund verbreiten würden. So aber könne sich die Gesellschaft mit diesen Positionen auseinandersetzen, nach deren Ursachen suchen und sie bekämpfen.

Völkerverständigung ist wichtig für den Frieden

Meike Stangenberg betonte den Wert der Völkerverständigung für den Frieden. Die Sprache des anderen zu sprechen, sei ein wichtiger Motor der Verständigung, ein Zeichen des Vertrauens und der Bereitschaft, sich dem Gegenüber zu nähern. Dass es die früher sogenannte Erbfeindschaft zwischen Frankreich und Deutschland nicht mehr gibt, habe seinen Grund auch darin, dass Menschen aus beiden Völkern aufeinander zugegangen sind. Und: Es sei ganz wichtig, auf die Jugend zu setzen. Sie habe die Zeiten des Hasses auf andere Völker nicht erlebt.
Mit Blick auf das Thema Hass erklärte Sigrid Litzenburger, es gebe wieder mehr Antisemitismus in Deutschland. Es bereite ihr große Sorge, dass jüdische Mitbürger aus Angst vor Gewalt Zeichen ihres Glaubens wie die Kippa oder den Davidstern nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Und es verstöre sie zutiefst, dass jüdische Studenten an der Freien Universität Berlin regelrecht vertrieben worden seien.

„Das wäre eine falsche Hoffnung.“ Dr. Sven Jürgensen

Dr. Jürgensen, ein exzellenter Kenner des literarischen Werks Erich Maria Remarques, der mit „Im Westen nichts Neues“ Weltruhm erlangte, räumte mit Blick auf das Thema Frieden ein, keine Literatur habe die Kraft, einen Krieg zu verhindern. „Das wäre eine falsche Hoffnung.“ Aber die Literatur könne das Innere von Menschen in Konflikt- beziehungsweise extremen Situationen zeigen.
Er ging zum Westfälischen Frieden 1648 zurück, um zu zeigen, warum Kriegsparteien Frieden schließen: Damals sei die Voraussetzung die Erschöpfung der Parteien gewesen. Keine habe nach 30 Jahren Krieg noch einen Sieg für möglich gehalten. Das sei der große Unterschied zum aktuellen Krieg in der Ukraine nach dem Überfall Russlands. Beide Länder seien von einem Friedensschluss entfernt, weil sie glaubten, diesen Krieg gewinnen zu können.

Deutschland muss mehr Geld für die Verteidigung aufwenden

Deutschland habe der Krieg in der Ukraine gezeigt, dass es wieder in sein Militär investieren müsse, um wehrhaft zu werden. Die Ausgaben für den Verteidigungshaushalt würden zu weniger Mitteln für andere Bereiche führen. „Wir können einen Euro nur einmal ausgeben.“
Volker-Johannes Trieb sagte, er habe eine große Angst beim Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine. Denn wenn der auf der Basis einer militärischen Stärke erfolge, werde er eine weitere Aufrüstung in der gesamten Welt nach sich ziehen. Er schlug vor, dass es zur Beendigung dieses Krieges erstrebenswert wäre, dass Hunderttausende friedensbewegter Menschen in die Ukraine ziehen, Friedenscamps aufschlagen und als menschliche Schutzschilde für den Frieden eintreten. Er wüsste gerne, ob Russlands Präsident Putin militärisch gegen diese Friedenscamps vorgehen würde.

Klaus-Peter Lammert (OV, 09.03.2024)

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