07.11.19
Tragische Schicksale sind Teil der Ausstellung

30 Jahre Mauerfall: Lehrer und Schüler des Gymnasiums Damme präsentieren Themenprojekt in der Pausenhalle

Die Arbeit der Jugendlichen beschäftigt sich mit der Geschichte des Aufbaus. Aber auch die Biografien von ost- und westdeutschen Grenztoten spielen eine Rolle.

Ronny Kamrath hat den Fall der Mauer 1989 selbst miterlebt. Der an der Ostsee in Greifswald (damalige DDR) geborene und aufgewachsene Lehrer des Gymnasiums Damme erinnert sich noch gut: „Natürlich bin ich damals auch nach Berlin gefahren“, sagt er. Als vor 30 Jahren am 09. November die Staatsgrenzen der DDR geöffnet wurden, strömten die Menschen nach Ostberlin und in den Westen. Kamrath war da gerade 17 Jahre alt. „Die ersten Züge waren damals so voll, dass niemand mehr mitfahren konnte“, berichtet er. Kamrath erreichte Ostberlin damals erst am Morgen des 10. Novembers und verbrachte dort den Tag, um den Westen der Stadt zu erkunden.

Im Leben des heute 47-Jährigen spielte die deutsche Wiedervereinigung somit eine zentrale Rolle. Die Ereignisse will der Lehrer, der neben Deutsch auch das Fach Geschichte unterrichtet, jetzt seinen Schülern vermitteln: Seit Montag ist eine Ausstellung zu 30 Jahre Mauerfall in der Pausenhalle des Gymnasiums Damme zu sehen. Zusammen mit seinem Geschichtskurs hatte der 47-Jährige diese in den vergangenen Wochen erarbeitet.

Den Impuls für die Ausstellung im Gymnasium gab Norbert Enker, erklärt Kamrath: Der Dammer Fotograf hat zum Tag der Deutschen Einheit auf dem Kirchvorplatz St. Victor sein Bildprojekt „Grenzfall – der Fall der Mauer in Berlin: Eine fotografische Spurensicherung“ präsentiert. Es dokumentiert den Abbau der Mauer. Im Zuge dessen fragte Enker an, ob sich das Gymnasium nicht daran beteiligen wolle. Für Kamrath war klar: „Da müssen wir was machen.“
Um das Angebot auf dem Kirchplatz abzurunden und den Jugendlichen weitere Details der Geschichte näherzubringen, thematisiert die Ausstellung andere Aspekte der Mauer. „Ein Teil beschäftigt sich mit dem Aufbau“, sagt Kamrath. Hierzu haben die Schüler Info-Tafeln erstellt und Zahlen, Daten und Fakten zur Grenzerrichtung festgehalten.

„Mir ist es wichtig, dass die Schüler einen Bezug zu dem Thema entwickeln“, sagt Kamrath. Zu diesem Zweck gibt der zweite Teil der Ausstellung einen Einblick in das „Schrecken der Mauer“. Von der Decke hängen dazu Steckbriefe mit Fotos, die auf das Schicksal von Grenztoten hinweisen. Die Biografien der Toten haben die Schüler des Gymnasiums aufbereitet und an mehreren Stationen in der Pausenhalle angebracht.

„Es war nicht nur der abstrakte politische Flüchtling, der an der Mauer gestorben ist“, erklärt Kamrath. Für ihn persönlich sei der tragische Tod von Chris Gueffroy ein bewegendes Schicksal. Er war der letzte Mauertote am 5. Februar 1989 – ein halbes Jahr vor der Grenzöffnung. „Wir waren damals etwa im gleichen Alter“, berichtet der Geschichtslehrer. Weitere Biografien beschäftigen sich mit gescheiterten Fluchtversuchen sowie jungen, „vermeintlich bösen“ DDR-Soldaten, die ebenfalls ums Leben kamen.
Beide Teile des Projekts sind durch eine große Nachbildung der Mauer voneinander getrennt. Diese ist an der Decke befestigt und teilt die Pausenhalle symbolisch. Für die Visualisierung bekam der Lehrer Unterstützung: Kamraths Kollegin Heike Regin, die Kunst und ebenfalls Geschichte unterrichtet, hat seit Ende der Sommerferien mit etwa 50 Schülern aus den Klassen 9 und 10 die Mauernachbildung bemalt. Grundlage für die Verzierung des Modells aus Pappe waren diverse Fotos. Diese hatte Enker der Schule zur Verfügung gestellt. „Das kommt den Originalen schon sehr nahe“, freut sich Regin über das Werk der Schüler.

Laut der Kunstlehrerin engagierten sich die Jugendlichen bei der Gestaltung des Projekts mit sehr viel Begeisterung. Es sei eine andere Herangehensweise an die Themen Mauerfall und Nachkriegszeit, die derzeit in vielen Klassen behandelt werden. Auch deshalb hoffen Kamrath und Regin, dass viele Schüler die Ausstellung besuchen und sich über die deutsche Geschichte informieren werden.

Berichterstattung in der Oldenburgischen Volkszeitung:

  • Bewegende Bilder teilen Kirchplatz Damme (04.10.2019)
  • Tragische Schicksale sind Teil der Ausstellung (23.10.2019)
  • Grenzfall-Ausstellung ist noch bis 24. November auf Kirchplatz zu sehen (06.11.2019)

 

 

Bernd Beckmann (Oldenburgische Volkszeitung, 23.10.2019)