19.10.19
Auf nach Clemenswerth!

Interview mit dem Initiator des Barocktages

Können Sie sich bitte erst mal kurz vorstellen?
Mein Name ist Fred Wittnebel, ich bin seit 16 Jahren am Gymnasium Damme und meine Fächer sind Musik und Latein.

Welche Fahrt organisieren Sie im Jahrgang 11?
Wir organisieren den sogenannten Barocktag. Wir fahren für einen Tag mit dem gesamten Jahrgang 11 nach Sögel, ein Ort im Emsland. Dort gibt es ein 300 Jahre altes, gut erhaltenes Schloss, das sogenannte Schloss Clemenswerth, welches ca. 1738 gebaut wurde. Dessen Besitzer Fürstbischof Clemens August von Wittelsbach, jagte gerne, wie es im Barock üblich war. Dieser kam einmal im Jahr für 1-3 Wochen nach Clemenswerth, um zu jagen. Den Rest des Jahres stand das Schloss leer. Man kann anhand dieser Schlossanlage sehr gut bestimmte Themen (z.B. Geschichte, Kunst, Musik...) erarbeiten. Die Schüler durchlaufen verschiedene Stationen, z.B. einen Tanz erlernen wie das Menuett. Man kann gut am historischen Original lernen und sich in die Zeit des Barocks hineinversetzen. Es macht immer Spaß, aus dem alltäglichen Schulleben herauszukommen und in eine andere Zeit einzutauchen. Zudem kann man dort viel draußen sein. Wir bemühen uns, euch nicht nur einen Text vorzulegen und zu sagen: Lest euch das durch und markiert das Wichtigste. Beim Schloss erarbeiten die Schüler dies anhand praktischer Aufgaben wie dem Tanz mit Händen, Füßen und dem ganzen Körper. Dieses Jahr, also im Jahr 2019 fand der Barocktag zum zehnten Mal statt. Wenn pro Jahr ca. 130 Schüler mitfahren dann sind in diesen 10 Jahren schon 1300 Schüler mitgefahren. Man kann also sagen, dass sich die Fahrt etabliert hat und auch schon ein kleiner Erfolg ist.

Wie sind sie darauf gekommen, den Barocktag zu veranstalten?
Ich war mal in einer Klasse und habe das Wort Barock an die Tafel geschrieben. Ich musste erkennen, dass die Schüler nicht so viel zu diesem Thema wissen. Außerdem habe ich das Jagdschloss Clemenswerth schon mal privat besucht, dabei dachte ich mir, dass ich dort auch mal mit Schülern hinmüsse und das Thema vor Ort bearbeiten sollte. Die andere Sache ist, dass Schüler die Sehenswürdigkeiten in der Region kennen sollten. Das Emsland, wo das Schloss steht, gehört im weiteren Sinne noch zu unserer Region und meiner Meinung nach sollten die Schüler dieses Schloss kennen. Deswegen haben meine Kollegen und ich den Barocktag entwickelt.

Interessieren sie sich auch privat für die Zeit des Barock?
Ja, tatsächlich, ich interessiere mich zwar auch für andere Dinge, aber ich war ja nicht immer Lehrer. Während meines Musikstudiums in Bremen habe ich mich spezialisiert auf ältere Musik. Die Barock-Musik von 1600 bis 1750 hat mich besonders interessiert. Da ich ja auch Musikinstrumente spiele, habe ich auch die barocken Instrumente erlernt. Es ist also eine Zeit, die mich auch privat interessiert.

Gab es bei so vielen Schülern auch schon mal Zwischenfälle?
Kleinere Zwischenfälle hat es schon gegeben, die sind aber so gering, dass man sie eigentlich kaum nennen muss. In den letzten Jahren hat mich allerdings zunehmend gestört, dass Schüler ihr Handy und eine Bluetooth-Box dabeihatten und zwischendurch dann Musik gehört haben. Dort ist ja ein Museum und man ist nicht zu Hause in den eigenen vier Wänden, deswegen habe ich die Schüler dann immer gebeten, Box und Musik auszumachen.
Eine andere Sache ist die, dass man sich vorstellen muss, dass das Schloss 300 Jahre alt ist und dort nicht einfach Fußball gespielt werden kann. Oder, da war eine Schülerin, die tatsächlich ganz nah an ein originales Bild aus dem Barock herangetreten ist, mit dem Finger darüber hergefahren ist und gefragt hat, ob das echt sei.

Sind Sie denn alleine bei diesem Projekt oder nehmen auch andere Lehrer teil?
Nein, wir machen das in einer kleinen Gruppe. Es ist nett, mal etwas mit den Kollegen zu unternehmen, und es macht auch Spaß, auch weil man mal aus der Schule rauskommt. Ich habe vor 11 Jahren zwar den Impuls für diesen Barocktag gegeben, aber was den Barocktag zum Erfolg gemacht hat, sind eigentlich die guten Ideen, die die Kollegen da immer wieder neu hineingebracht haben. Ein Adeliger, der sich in eine Dienstmagd verliebt, da stellt sich natürlich die Frage: Kann das gehen?
Diese Station hat sich beispielsweise meine Kollegin Frau Regin ausgedacht. Also ist der Barocktag nicht nur auf meinem Mist gewachsen, sondern beruht auch auf den Ideen und dem Wissen der anderen Lehrer. Auf diese Weise ist der Barocktag dann zu einem Erfolg geworden.

Welches Feedback haben Sie denn schon bekommen?
Viele Lehrer und Schüler haben mir in den letzten Jahren schon ein positives Feedback gegeben und gesagt, dass die Fahrt gut gewesen sei. So etwas hört man von Schülern eigentlich selten.

Vielen Dank für das Interview!


Klara, Lea-Sophie, Dalia, Max (WPU Journalismus, Jg. 8)