06.06.19
Ehemaliger Berufssoldat im Kirchenvorstand

Ein hervorragendes Zeitungsporträt aus dem WPU Journalismus

Peter Kollorz hat in seinem Leben schon viel erlebt: Als Berufssoldat war er in den unterschiedlichsten Ländern und eine ganz andere Seite des Lebens konnte er in den USA kennenlernen. Doch auch mit 62 Jahren beteiligt er sich aktiv am Dorfleben.

Hunteburg. Wenn Peter Kollorz von seinen bisherigen Erfahrungen erzählt, breitet sich nicht selten eine gewisse Ehrfurcht unter den Zuhörern aus. Doch das liegt nicht nur daran, dass diese auf seiner Zeit bei der Bundeswehr, in den USA und als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Kirchenvorstand beruhen: Sobald der 62-Jährige einen Raum betritt, bleibt er mit seinen kinnlangen weißen Haaren, den vielen Tattoos, den Cowboystiefeln und seinem stets abenteuerlustigem Wesen nicht unentdeckt.

Obwohl das Leben ihn in eine andere Richtung gewiesen hatte, als er es sich mit 15 Jahren vorgestellt hatte, bereut er es nicht, seinen großen Traum aufgegeben zu haben. „Ich wollte eigentlich immer zur See fahren“, erzählt der gebürtige Oberhausener schmunzelnd. „Aber mein Vater hat damals gesagt, dass sei kein richtiger Beruf.“ Daraufhin hat Kollorz zweieinhalb Jahre eine Ausbildung zum Koch gemacht und Maschinenschlosser bei ZF gelernt, bis die Bundeswehr auf ihn zukam. „Damals gab es noch die Wehrpflicht, das heißt, ich musste für 18 Monate zum Militär“, berichtet Kollorz. Nachdem er im Eignungstest in Bielefeld positiv aufgefallen war, wurde ihm angeboten, Zeitsoldat zu werden. Dort wurde ihm auch mitgeteilt, er sei für alles geeignet, nur nicht für die Gebirgssee und die Bordverwendung. „Danach hab ich gedacht, der liebe Gott will nicht, dass ich zur See fahre!“, betont Peter Kollorz, der seit 35 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder hat. Seine Karriere begann in Holland, im Grundausbildungsregiment der Luftwaffe. Als ihm nach anderthalb Jahren vorgeschlagen wurde, für zwölf Jahre Soldat zu sein, hat er zugestimmt. Jedoch blieben Logistik und Transportwesen in der freien Wirtschaft nicht sein einziger Themenbereich: In der Abendschule lernte er Bürokaufmann und Berufskraftfahrer. Insgesamt besitzt er drei Gesellenbriefe.

„Die brauchte ich eigentlich gar nicht mehr, nachdem ich dann auch noch zum Berufssoldat ernannt wurde, aber ich sag immer: Egal, was man gelernt hat im Leben, egal wo, es ist nie ein Verlust“, erklärt Kollorz ernst. Das dachte er sich womöglich auch, als er sich für eine Stelle in den USA beworben hatte, bei der die Soldaten sich darum kümmern müssen, dass die Raketenschule der Bundeswehr „läuft“, obwohl er nie daran geglaubt hatte, sie wirklich zubekommen. Umso überraschender kam dann der Anruf einen Tag vor Heiligabend: Er muss für ein halbes Jahr nach Hamburg zur Sprachenschule, um Englisch zu lernen, da er im August mit seiner Familie für drei Jahre nach El Paso in Texas fliegen wird. „Das war ein Hammer“, berichtet er. Daraufhin ging es schnell, denn der Familienvater musste auch noch eine Wohnung suchen und ein neues Konto einrichten. „Ich habe mir natürlich Sorgen gemacht: Um meine Kinder, mein Sohn war zu dem Zeitpunkt ein Jahr alt und meine Tochter zwei, und um meine Englischkenntnisse. Aber meine Sorgen waren völlig unberechtigt! Kinder kommen im Ausland eher klar als Erwachsene und die Angst vor der Sprache hat mir ein Amerikaner im Flugzeug genommen“, erinnert sich Peter Kollorz. Während der Zeit von 1993 bis 1996 in den Vereinigten Staaten betreute seine Frau viele deutsche Frauen. Sie zeigte ihnen beispielsweise, wo die Einkaufsläden sind und die Kinderärzte, zu denen auch Deutsche hingehen können. „Das Land ist, im Vergleich zu Deutschland, in vielen Sachen krank“, sagt er, „es ist dort für junge Menschen einfacher, ein Gewehr zu kaufen als eine Dose Bier.“ Außerdem gebe es keine sozialen Absicherungen. Das bedeutet unter anderem, dass die Ärzte keine Personen behandeln müssen, die sie nicht kennen. Trotzdem bereue er es nicht, die Stelle angenommen zu haben, da die USA ein wunderschönes Land mit unglaublich freundlichen Menschen sei. Jedoch würde Peter Kollorz nicht noch einmal in den USA leben wollen, das steht für ihn fest. Nach den drei Jahren voller neuer Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen musste die Familie Kollorz ihre neuen Freunde und ihren amerikanischen Alltag zurücklassen und sich auf den Heimweg nach Hunteburg machen. „In Deutschland musste ich mich gewaltig umstellen, was die Freundlichkeit betrifft. Ich mach es heute manchmal noch richtig mit Absicht, freundlich zu sein, um die Deutschen ein wenig zu ärgern“, erzählt Kollorz schmunzelnd. Nachdem er dann Jahre in Rostock und in Rheine gearbeitet hat, wurde er nach Köln versetzt, wo er schließlich bis zu seiner Pensionierung tätig war. Er war bis zu 25 Wochen im Jahr auf Dienstreise, in denen die Soldaten alle damaligen Luftwaffenstandorte weltweit geprüft haben, die unter anderem in Kanada, Amerika, Italien und Belgien zu finden waren. „Das war schon ein sehr angenehmes Leben“, gestand der förmlich vor Lebensfreude sprühende Mann zufrieden. Nachdem Peter Kollorz nach 32 Jahren bei der Bundeswehr mit 53 Jahren in Rente gegangen ist, „schlitterte“ er immer mehr in das Ehrenamt hinein. „Meine Tochter hat mich damals gefragt, ob ich mit ihrer Konfirmandengruppe mit nach München komme, da ich viel Zeit in der Nähe von München verbracht hatte“, erzählt der Hobbyfotograf. Somit ist er nun schon als Betreuer und Fotograf tätig gewesen und als Koch im Kinderbibelzeltlager in Burlage. Seine ehrenamtliche Arbeit beträgt in der Woche meistens bis zu 30 Stunden und beinhaltet Pressearbeit, Fotografie, Konfirmandenzeit und das Schreiben des örtlichen Gemeindebriefes. „Natürlich leiden meine Hobbys darunter, aber daran bin ich selbst Schuld“, gesteht er nüchtern. „Wenn wir es nicht machen, dann macht es keiner.“ Viele Jugendliche vertrauen Kollorz inzwischen so sehr, dass sie oft zu ihm kommen, um über ihre Probleme zu reden.

Peter Kollorz ist ein Mann mit einem außergewöhnlichen Lebenslauf und einer interessanten Sichtweise auf verschiedene Dinge. Die Zukunft steht in den Sternen, somit weiß niemand, ob sich sein Jugendtraum „mit dem Schiff um die Welt zu segeln“ vielleicht nicht doch noch bewahrheitet.

Dieses Zeitungsporträt sowie weitere Ergebnisse sind auf dem Weblog des WPU Journalismus zu finden.

Isabella H. (Jahrgang 8)