Spontaner Hilfstransport für die Ukraine

28. April 2022Allgemein, Europaschule, Personen

Interview mit Schulsozialarbeiter Markus Heimbuch

Kurz nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine ist unser Schulsozialarbeiter Markus Heimbuch mit einem Hilfstransport an die ukrainische Grenze gefahren: eine spontan organisierte, sehr effektive Hilfsaktion.
Im Gespräch mit unserem Kurs hat er uns von der Fahrt erzählt, von der Situation an der polnisch-ukrainischen Grenze berichtet und uns Tipps gegeben, wie wir mit den bedrückenden Bildern aus der Ukraine umgehen können.

Frage: Wie kam es eigentlich zu der Hilfsaktion?
Antwort: Es war Sonntagabend, wir haben Fernsehen geguckt und waren von den Bildern erschrocken, getroffen, berührt. Da haben wir direkt gesagt: Wir müssen da etwas machen! Hinfahren, die Leute rausholen – es war erstmal nur eine vage Idee. Als ich montagmorgens die Nachricht von der Sportanleiterin meines Sohnes, Lana Ebel, bekommen habe, die über facebook zu Spenden aufgerufen hat, war mir klar, dass ich mitmache und zur Grenze fahre.

Frage: Wie lange warst du dort?
Antwort: Ich bin mittwochs losgefahren. Nach einer Übernachtung in Berlin sind wir morgens losgefahren und haben dann an der Grenze übernachtet. Dort haben wir Leute mitgenommen und haben diese nach Lodz gebracht. Dann waren wir noch eine Nacht in Lodz und dann sind wir Samstag zurückgefahren, also von Mittwochnachmittag bis Samstagabend 23 Uhr.

Frage: Was genau hast du transportiert?
Antwort: Ich habe hier an der Schule 25 große Pakete gesammelt und diese dann zur zentralen Dammer Sammelstelle gebracht. Dort wurde das dann sortiert. Wir selbst haben dann nur die medizinischen Produkte mitgenommenen und zur Grenze gebracht.

Frage: Was sind deine Eindrücke von der Grenze?
Antwort: Als wir angekommen sind, war es schon dunkel, es brannten dort mehrere Feuertonnen. Abends waren dort nicht viele Flüchtlinge. Es gab eine Imbissbude und mehrere Stände mit Hilfsgütern. Da konnten sie sich die Sachen abholen, die sie brauchten. Viel Polizei, aber auch Helfer, so wie wir aus Deutschland. Wir haben dann einen Kontakt bekommen von einer ukrainischen Sammelstelle. Da wir keine Reisepässe dabei hatten, hat man uns nicht in die Ukrainie reinfahren lassen. Ein LKW aus der Ukraine hat dann unsere Spendengüter mitgenommen.

Frage: Du hast auch Geflüchtete mit nach Deutschland genommen?
Ja, eine Familie habe ich nach Vörden zu einer Freundin gebracht. Die haben meine Nummer weitergegeben und eine Woche später habe ich dann zwei Familien via Whatsapp nach Deutschland gelotst und sie dann in Holdorf untergebracht.

Frage: Sind weitere Transporte oder Spendenaktionen geplant?
Antwort: Hier an der Schule ist ja ganz groß gesammelt worden. Ich habe zwei Familien geholfen, hierher zu kommen und diese betreue ich jetzt. Nebenher telefoniere ich mit den Gemeinden, wir versuchen momentan, einen Sprachkurs in Holdorf zu etablieren.

Frage: Was hat sich für dich nach dieser spontanen Hilfsaktion geändert?
Antwort: Ich bin gedanklich immer bei den ukrainischen Familien. Ich versuche, mich selbst ein bisschen zu schützen, indem ich bewusst nicht alles, was es in den Medien über den Krieg gibt, ansehe. Das ist auch für euch Schüler wichtig, sich auch davon abzugrenzen. Man hat ja theoretisch die Möglichkeit, sich von morgens bis abends mit dem Krieg und dem damit verbundenen Leid zu beschäftigen – das macht einen dann aber auch am Ende des Tages kirre im Kopf. Es ist wichtig, gut informiert zu sein, trotzdem ist es auch für alle Menschen sehr wichtig, gut auf sich zu achten und sein normales Leben weiterzuführen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ein Interview des WPU Journalismus Jg.9

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