Schweige- und Gedenkminute für Samuel Paty

2. November 2020Allgemein, Erwachsen werden - erwachsen handeln, Schule mit Courage

Am 02.11.2020 hat die Schulgemeinschaft eine Schweige- und Gedenkminute für den brutal ermordeten französischen Lehrer Samuel Paty abgehalten. Der folgende Brief des Kultusministers Grant Hendrik Tonne wurde dabei vom Schulleiter vorgelesen:

Sehr geehrte Schulleiterinnen und Schulleiter,
sehr geehrte Lehrkräfte,

am 16.10.2020 wurde der 47-jährige Geschichts- und Geographielehrer Samuel Paty in einem Pariser Vorort Opfer eines islamistischen Anschlags. Samuel Paty hatte Anfang Oktober in seiner Schule über das Recht auf Meinungsfreiheit unterrichtet und hierbei Mohammed-Karikaturen aus der Satirezeitschrift Charlie Hebdo gezeigt. Er hatte vorher seinen Schülerinnen und Schülern freigestellt, den Blick abzuwenden, falls die Karikaturen sie beleidigen könnten.

Der Mord, der damit im Zusammenhang steht, hat uns alle zutiefst erschüttert. Unser Mitgefühl gilt der Familie und den Angehörigen des Ermordeten. Paty wurde zum Opfer dieser grausamen Tat, weil er Kindern und Jugendlichen die Werte unserer demokratischen Gesellschaft nahegebracht hat, nämlich Meinungsfreiheit, Pluralismus, Toleranz und Menschenwürde, und er hat dafür ein aktuelles Beispiel gewählt, das sich wie kaum ein anderes eignet, die Vielschichtigkeit dieser Werte in den Blick zu nehmen.

Einem solchen Angriff auf unsere demokratischen Grundwerte – und zugleich auf den Bildungsauftrag der Schule und die Freiheit der Lehre – müssen wir uns entschlossen und solidarisch entgegenstellen. Die Schule ist der geeignete Ort, um demokratische Grundwerte zu vermitteln und auch zu leben. Jeglichen Formen von Gewalt, religiösem Fanatismus und Intoleranz ist entgegenzutreten. Das ist eine wesentliche Aufgabe unserer Lehrerinnen und Lehrer. Sie müssen aber diesem Bildungsauftrag gerecht werden können, ohne dabei um ihr Leben fürchten zu müssen. Auch die Schülerinnen und Schüler haben ein Anrecht darauf, im Sinne der Werte unseres Grundgesetzes und des Bildungsauftrages der Schulgesetze unterrichtet zu werden. Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der pädagogischen Verantwortung darf es nicht geben. Die Verteidigung demokratischer und rechtsstaatlicher Grundwerte ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Deshalb ist es wichtig, hier ein Zeichen zu setzen.

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