Bio-LK BI21 im Moor

Wunderschöne Landschaft, wirklich spannende ökologische Zusammenhänge (wenigstens aus Biolehrersicht), Abgeschiedenheit und gut passierbare (jaja, ich weiß, lieber Kurs, ich weiß…) Wege: Das Campemoor hat Biologen einiges zu bieten, das etwas weiter von der Schule entfernt gelegene Venner Moor vielleicht sogar noch etwas mehr. Daher freute ich mich auch wie ein Schneekönig, als zum allerersten Mal seit Beginn meines Lehrerdaseins für das Abitur 2023 neben dem Wald das Ökosystem Moor auf der vom Land veröffentlichten Themenliste für die Oberstufe stand.
Die Ernüchterung kam dann aber bei der Zeitplanung: Mit dem Moor könnte man sich den ganzen Tag beschäftigen, so spannend ist es. Und wie viel Zeit haben wir dafür? Eine Doppelstunde? Zwei? Zu wenig jedenfalls, viel zu eng gepfropft ist der Lehrplan. Was liegt da näher, als sich die fehlenden Stunden von den Kollegen zu stibitzen und den Kurs einen ganzen Tag lang in dieses beeindruckende Ökosystem zu entführen?!
Den Vorschlag, eine Fahrradrallye durchs Moor zu machen, nahm der Kurs gerne an. Skeptische Nachfragen in Richtung „Wie weit ist es denn bis zum Moor?“ konnte ich mit einer beruhigenden und keinesfalls gelogenen Aussage beantworten: „So etwa sieben bis acht Kilometer…“
Spoiler: Am Ende wurden von allen Gruppen 30 km und mehr zurückgelegt.
Meine Empfehlung, die E-Bikes zugunsten von muskelbetriebenen Rädern zu Hause zu lassen, wurde nur von den wenigsten berücksichtigt. Während die meisten also gut motorisiert die Fahrt antraten, erwies sich Hannah als die größte Sportskanone des Kurses: Mit Würde und Tapferkeit trug ihr motorfreies Ein-Gang-Fahrrad sie über Schotter- und Sandwege (vielleicht trug sie aber auch das eine oder andere Mal das Fahrrad?). Ach, da war doch noch was… Thema Motorisierung: Am Treffpunkt mit den Neuenkirchener/Vördener Schülern, die auf direktem Wege ins Moor gekommen sind, ohne den Umweg über die Schule zu machen, erwartete uns – auf dem Schotterweg in Staub und Grünzeug etwas deplatziert wirkend – ein gegenüber unseren Drahteseln äußerst protziges Geschoss mit vier statt zwei Rädern: Elias hatte sich also den Hinweg im Sattel gespart und ist als einziger mit dem Auto am Treffpunkt aufgefahren. „Wie er mit dem Ding wohl das Fahrrad transportiert bekommen hat…“ frage ich mich noch, komme aber nicht zum Nachfragen, es ist noch zu viel zu organisieren. Die nicht gestellte Frage beantwortet sich aber in dem Moment von allein, als seine Gruppe sich bei mir meldet: „Frau Pohl, wir haben da ein kleines Problem…“ Nein, Elias, dass man für eine Fahrradrallye ein Fahrrad braucht, das konntest du nun auch beim besten Willen nicht erahnen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Jasper dafür, dass er Elias auf die Schnelle in Neuenkirchen ein E-Bike geborgt hat – und vor allem dafür, dass er ihm nicht verraten hat, wo der Motor angeht. Ich lache immer noch. In kürzester Zeit 15 km ohne Motor, dafür aber mit dem beträchtlichen Gewicht eines E-Bikes beschert Elias dann nach Hannah immerhin Rang 2 in meinerBewunderungsliste.
Ein klitzekleiner Logistikfehler meinerseits (die Wegbeschreibungen und Kartenausdrucke, die ich den Gruppen am Startpunkt aushändigen wollte, lagen kilometerweit entfernt gut verpackt in Rucksack Nr. 2 am Treffpunkt für das Abschlussgrillen parat) forderte von mir dann ebenfalls eine recht knackige Fahrt, auf der ich den Gruppen, die teilweise schon beträchtliche Strecken auf den verschiedensten „gut passierbaren“ Sand- und Schotterwegen zurückgelegt hatten, das Material in der Printversion nachbrachte. Ich finde, für diese Fahrt (noch ohne Frühstück) habe ich Rang 3 in meinem Sport-Ranking verdient.
Ach ja, die Streckenführung… Ich habe Anfang Mai begonnen, die Strecken auszuarbeiten. An einzelnen Stellen (wirklich nur an einzelnen!) war der Weg etwas überwuchert. Klar, im Mai treibt ja auch alles aus. „Bis wir im Juli die Exkursion machen, ist das alles vertrocknet, dann kommt man da problemlos durch!“ Ich war mir wirklich, wirklich sicher! Ups … Sorry, Leute!
Verschiedenste Stationen mit Aufgaben mussten im Laufe der Radtour erarbeitet werden, die die besonderen Eigenschaften der Ökosysteme Wald und Moor und ihrer Bewohner in den Vordergrund stellten. Die Orte, an denen das Moor sich in den schönsten Facetten präsentierte und die ich unbedingt allen Gruppen zeigen wollte, waren leider nur über ziemlich sandige, schwarze Moorwege erreichbar – nicht unbedingt optimal zum Radeln – aber sooo schön! Hier ließen sich die Standortbedingungen im Moor anhand der Zusammensetzung der Flora erkennen, dort der tödliche Schwingrasen und an der nächsten Stelle war der Vergleich mit dem Ökosystem Wald möglich… Wie schon eingangs erwähnt: Ein Traum für Biologen.
Meine Bedenken, dass irgendetwas passieren könnte (ich sah mich schon abwechselnd mal mit langer Stange im Moor nach Vermissten herumstochern, mal sah ich mich den Rettungshubschrauber zum Fahrradzusammenstoß einwinken) wurden glücklicherweise bald ausgeräumt – einzige Schrecksekunde: Gruppe 5 mit Matthias, Fietje und Theo fehlte am Ende noch – das letzte Lebenszeichen: Ein Bild abseits des eigentlichen Weges auf einer Fläche umrahmt von potenziell tödlichem Moor…
Trotz einiger Schwierigkeit mit der Strecke und in der Orientierung kamen alle am Nachmittag am Treffpunkt, dem Vereinsheim Campemoor, an. Die geplanten Strecken (ohne die Anfahrt zu zählen) waren für alle Gruppen etwa 20 km lang. Durch Irrwege hat die eine oder andere Gruppe aber mit Sicherheit noch eine gehörige Portion an Kilometern on top gewonnen.
Somit räume ich nun abschließend doch noch meinen dritten Rang auf der Sportlichkeitsskala und lasse meinem ganzen Kurs den Vortritt.
Und ich wiederhole gerne: Euch hätte ich gern als Tutorenkurs gehabt, allein schon, um mit euch auf der Kursfahrt eine Radtour durch die Alpen zu machen. Meinetwegen auch mit E-Bike. Mit euch hätte ich für meinen Teil dabei jedenfalls jede Menge Spaß gehabt!

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