Ein Erfahrungsbericht
Am 25.01.2024 erhielt ich mittags den Anruf von meinem Patenabgeordneten Alexander Bartz, der mir mitteilte, dass er mich für das PPP-Stipendium 2024/25 ausgewählt habe. Das Parlamentarische Patenschafts Programm (PPP) ist ein Vollstipendium des Deutschen Bundestags und des Kongresses der Vereinigten Staaten für ein Auslandsjahr in den USA als Juniorbotschafter. Dies war der Anfang eines sehr spannenden und erfahrungsreichen Abenteuers für mich.
Meine Reise startete bereits im Juni mit dem Vorbereitungsseminar mit 30 weiteren PPP-Stipendiaten in Lauenburg an der Elbe. Wir verstanden uns direkt sehr gut und es wurden Freundschaften geschlossen, die bis heute anhalten. Bei dem Seminar wurden wir darauf vorbereitet, uns in einer neuen Familie, einer neuen Schule und in einem fremden Land einzugewöhnen. Zwei Tage beschäftigten wir uns speziell mit der Geschichte und aktuellen Politik der USA, was mich besonders interessierte.
Leider war die Gastfamiliensuche letztes Jahr sehr schwierig, weshalb ich mein Placement erst Anfang September erhielt, danach ging alles sehr schnell. Am 10.9.2024 stieg ich endlich ins Flugzeug nach Detroit, Michigan. Am Flughafen empfing mich meine Gastmutter sehr herzlich. Auf dem Weg in mein neues Zuhause, einem kleinen Dorf namens „Almont“ hielten wir bei Costco an, um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Dies war der erste große Kulturschock für mich. Costco ist ein sehr großer Einzelhandel mit Lebensmitteln, aber auch elektronischen Geräten, Kleidung und vielem mehr. Solche Geschäfte sind wir aus Deutschland nicht gewohnt und als ich den Laden betrat, kam ich mir eher wie in einer riesigen Lagerhalle vor. Die Regale sind sehr hoch bis unter die Decke und alles ist auf Paletten organisiert. Insgesamt habe ich festgestellt, dass viele Sachen in den USA deutlich größer sind als bei uns. Dies beeindruckte mich immer wieder, egal ob es Straßen, Läden oder Verpackungen waren.
In meinem Austauschjahr war ich Schülerin an der „Almont High School“ einer kleinen öffentlichen Schule für die Klassen 9-12 mit circa 400 Schülern. Schulbeginn war jeden Morgen um 7:25 Uhr und der Unterricht endete um 14:18 Uhr. Der Schulalltag war ganz anders aufgebaut als hier in Deutschland. Wir hatten jeden Tag die gleichen Fächer, im ersten Halbjahr hatte ich Strenght, Englisch, AP Precalc, American history, Physics und 3D Art, im zweiten Halbjahr belegte ich außerdem Concert Band und Kitchen Chemistry. Mit diesem System können Fächer deutlich intensiver behandelt werden, allerdings haben viele Schüler dadurch z.B. nur ein Jahr Physik in ihrer gesamten Schullaufbahn. Besonders gefiel mir meine „Strenght class“, da wir dort jeden Tag eine Stunde im Schulgym verbrachten.
An den meisten Schulen in den USA sind Sport und Schule fest verbunden. Es gibt drei Seasons: Herbst, Winter und Frühling und dementsprechend ein unterschiedliches Angebot an Sportarten. Im Herbst ist vor allem Football und Cheerleading sehr beliebt. Ich nahm im Herbst an Cross-Country teil, spielte Basketball im Winter und machte im Frühling Leichtathletik, was mir sehr viel Spaß bereitete. Wir hatten jeden Tag nach der Schule gemeinsam Training und oft zwei Meets oder Spiele pro Woche, wodurch wir als Team sehr zusammenwuchsen.
Meine erste Sportart war Cross-Country. Wir hatten ein tolles Team und ich fand sehr gute Freunde. Dienstags nach der Schule und samstags morgens hatten wir Wettkämpfe mit vielen anderen Schulen, bei denen wir Geländeläufe über 5km absolvierten. Mein Team qualifizierte sich überraschend für die State Finals auf dem „Michigan Speedway“. Es war ein sehr beeindruckendes Gefühl in einem riesigen Stadion mit 1000 Starterinnen zu laufen. Auch im Leichtathletikteam qualifizierte sich unter anderem unsere 4*800m Staffel für die State Finals. Hier reisten wir sogar am Vortag an und übernachteten alle zusammen in einem Hotel. Beide State Finals sind ganz besondere Erinnerungen an mein Auslandsjahr.
Im Herbst spielte unser Football Team jeden Freitagabend und bei Heimspielen beteiligte sich fast die gesamte Schule. Die Cheerleader und die Marching Band performten und wir hatten einen eigenen Schülerbereich auf der Tribüne, zu jedem Spiel gab es ein anderes Motto z.B. USA, Christmas, pink u.ä.. Die Stimmung war unbeschreiblich gut und ich fühlte mich wie in einen High School Film versetzt.
Durch mein Stipendium hatte ich im November zusammen mit 100 weiteren PPP-Stipendiaten ein fünftägiges Seminar in Washington D.C.. Als deutsche Juniorbotschafter boten sich uns dort sehr besondere Möglichkeiten, unter anderem mehrere Leadership Workshops und eine interessante Diskussion zusammen mit einer Vertreterin der Deutschen Botschaft und einem Vertreter des amerikanischen Department of States. Besonders gefiel mir, dass wir uns einen ganzen Tag sehr frei im Capitol Hill (dem Regierungsviertel) bewegen konnten. Dort sprachen wir mit Senatoren und Congress-Repräsentanten, auch konnten wir das Capitol, die Staatsbibliothek, den Supreme Court und vieles mehr besichtigen.
Das PPP-Stipendium soll zu einer besseren Verständigung zwischen Deutschland und der USA beitragen. Als Juniorbotschafterin engagierte ich mich deshalb ehrenamtlich. Ich half bei Sportveranstaltungen an meiner Schule und regelmäßig bei einer kirchlichen Essensausgabe. Dort wurde mir sehr bewusst, wie gut es uns geht, wie wichtig es ist und wie viel Spaß es machen kann, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen.
Ich hatte sehr viel Glück mit meiner Gastfamilie. Meine Gasteltern hatten vor mir schon mehrere Austauschschüler und ich war ein sogenanntes „double placement“, das heißt, ich war gleichzeitig erst mit einer australischen und dann mit einer chilenischen Austauschschülerin dort. Wir wurden zu einer richtigen Familie und unternahmen sehr viele Sachen zusammen. Meine Gasteltern versuchten immer, uns alles zu ermöglichen und uns so viel wie möglich zu zeigen.
Kurz nachdem ich ankam, reisten wir mit der Familie zu einer Hochzeit nach Kalifornien und besichtigten San Francisco. Im Frühjahr reisten wir gemeinsam nach Chicago und ich besichtigte New York City mit einer Gruppe von Austauschschülern aus der ganzen Welt. Die amerikanischen Großstädte, die ich sah, unterschieden sich stark von unseren europäischen Großstädten. Überall sind Wolkenkratzer und sehr moderne Gebäude, aber kaum Altstädte. Mir gefiel besonders New York City, die Stadt ist so einzigartig, so riesig, bunt und beeindruckend.
Insgesamt war mein Austauschjahr eine sehr bereichernde Erfahrung, die ich auf jeden Fall wiederholen würde. Es ist schwierig sich allein in einer fremden Kultur einzufinden, aber es ergeben sich daraus viele neue Erfahrungen und Perspektiven. Dieser kulturelle Austausch bietet gute Möglichkeiten, die Vielfältigkeit der Menschen zu erleben, um eine gemeinsame Basis und gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Mein Auslandsjahr mit dem PPP-Stipendium hat mir viele neue Perspektiven eröffnet und gezeigt, dass die Welt uns Jugendlichen offensteht.
Greta Schwarberg (Jahrgang 12)









