09. November 1938 / 2020

9. November 2020Allgemein, Erwachsen werden - erwachsen handeln, Schule mit Courage

Erinnungskultur am Gymnasium Damme

In der Woche vom 9. bis zum 13. November 2020 erinnert das Gymnasium Damme an die damals reichsweiten und von Teilen der deutschen Bevölkerung getragenen antijüdischen Ausschreitungen im November 1938. Seit Jahren hat dieser Gedenktag am Gymnasium seinen festen Platz, seit Jahren besprechen Geschichtslehrer die Novemberpogrome im Geschichtsunterricht, seit Jahren büffeln Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtunterricht mindestens ein halbes Schuljahr lang die „Reichskristallnacht“: Wozu eigentlich? … Was soll der ganze Aufwand?… Wozu Gedenken, Büffelei und jüdische Geschichte?

Also: Weshalb beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Damme
mit der „Reichskristallnacht“? – Ein Bericht

Betrachtet man die jüdisch-historische Perspektive, so sind der guten Gründe 3 zu nennen: Erstens herrscht kaum Wissen in der Bevölkerung über die Ursachen, den Ablauf und die Folgen der Novemberpogrome. Zweitens liegen die Pogrome als menschenverachtendes Ereignis zu unbeachtet im Schatten des Holocaust, dabei stellen sie doch – drittens – die größte Zäsur in der NS-Judenpolitik vor dem II. Weltkrieg dar.

Aber auch eine übergeordnete Perspektive mahnt zur Beschäftigung: Die sogenannte „Reichskristallnacht“ war keine Spontanaktion in einer einzigen konfusen Nacht, sondern eine Gewaltaktion vieler Menschen, die sich in vier Nächten vom 7. bis zum 11. November 1938 wiederholt hat! Und deshalb taucht die unausweichliche Frage auf: Weshalb sich so viele Deutsche und Österreicher daran beteiligt oder die Gewalt gegen Menschen zumindest nicht unterbunden haben?

In einem halben Jahr Unterricht erkennen die Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtunterricht über die Tätergruppen Folgendes: Die Zeitgenossen damals haben während der Pogrome aus materiellen Gründen gehandelt, denn viele haben sich am jüdischen Gut bereichert. Viele agierten aus purem Antisemitismus und haben ihren Judenhass ausgelebt, den ihnen die Schule und die Propaganda eingeimpft hatte. Viele handelten aus ihrer autoritären Staatsauffassung heraus, da sie glaubten, dass das, was der Staat und seine Organe taten, schon richtig sei. Viele folgten in ihrer Autoritätshörigkeit den Anweisungen ihrer Vorgesetzten. Viele hatten schlichtweg Angst, selbst zum Opfer zu werden und fürchteten persönliche Nachteile.

Am Ende folgt der Einspruch der Schülerinnen und Schüler: „Nun ja, … bei den Zeitgenossen damals war es so, uns aber geht es materiell gut. Wir werden heute in der Schule nicht antisemitisch verblendet. Wir leben in einer Demokratie. Wir leben in Presse- und Meinungsfreiheit. Wir werden zur öffentlichen Kritik- und Selbstkritik erzogen. Wir … haben keine Angst!“
Warum sollen wir uns also heute noch mit der „Reichskristallnacht“ beschäftigen?

Einmal abgesehen davon, das die benannten Dinge stets neu erkämpft werden müssen – was uns sogar die europäische Welt immer deutlicher vor Augen stellt – liegt die Antwort im Benennen einer Tätergruppe, die zu benennen wir noch vergessen haben:
Nämlich diejenigen Leute, die 1938 weggesehen haben, nicht aus Dummheit, sondern aus Faulheit und Bequemlichkeit. Die Leute, die relativiert haben, indem sie meinten: „So schlimm sei das nun auch wieder nicht gewesen!“ Die Leute, die alles verdrängt haben, weil sie die Dinge in ihrer heilen Welt nicht zulassen wollten.

Diese Tätergruppe – die Gruppe der Ignoranten – war nicht nur die Gefährlichste, weil sie den Tätern durch ihr Nichteinschreiten psychologische Unterstützung gab und damit die Taten legitimierte: Sie ist die Gefährlichste, weil es sie zu allen Zeiten gab und geben wird.

Die Gefährlichkeit dieser Gruppe zu kennen, ist der Hauptgrund zur Beschäftigung mit der „Reichskristallnacht“, die uns mehr zeigt als nur ein Stück jüdischer Geschichte.

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