Fortbildungstag „Selbstorganisiertes Lernen“ – 24. August 2026
Am 24. August 2026 stand am Gymnasium Damme das Thema „Selbstorganisiertes Lernen“ (SOL) im Mittelpunkt eines ganztägigen Fortbildungstages. Die Veranstaltung bot Raum, um erfolgreiche Praxisbeispiele kennenzulernen, Impulse für die eigene Unterrichtsentwicklung zu sammeln und mögliche Veränderungswege für die eigene Schule zu diskutieren. Die Ergebnisse des Tages werden in den schulischen Gremien beraten.
Den Auftakt bildete der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Raphaela Porsch (Universität Vechta) unter dem Titel „Wer bestimmt, was, wann und wie gelernt wird? Begründungen und Herausforderungen von Selbstbestimmung im Schulalltag“. Porsch skizzierte die Diskrepanz zwischen dem demokratischen Bildungsanspruch und der wahrgenommenen Unterrichtspraxis: Viele Schülerinnen und Schüler erleben wenig Mitbestimmung bei der Auswahl von Materialien, bei Lernwegen und bei der Festlegung von Beurteilungskriterien – eine Einschätzung, die auch von Lehrkräften bestätigt wird.
Im Vortrag wurden zentrale Begriffe wie selbstorganisiertes, selbstbestimmtes, selbstreguliertes und personalisiertes Lernen sowie Partizipation eingeführt und voneinander abgegrenzt. Auf dieser Grundlage wurden theoretische und empirische Befunde vorgestellt, die eine stärkere Selbstbestimmung und Individualisierung des Lernens begründen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den praktischen Herausforderungen – insbesondere auf der notwendigen Rollenveränderung der Lehrkräfte: von der reinen Wissensvermittlung hin zur begleitenden Lernberatung.
Im Anschluss an den Impulsvortrag boten zwei Workshop-Blöcke die Möglichkeit, konkrete Modelle und Umsetzungswege kennenzulernen und zu erproben. Beatrix Brüning (Regionales Landesamt für Schule und Bildung) stellte den niedersächsischen „Freiräume-Prozess“ vor und zeigte, wie Schulen bestehende Gestaltungsräume nutzen und sogar abweichende Modelle beantragen können. Ulrike Sziegoleit-Skupin (Gut Spascher Sand) präsentierte umsetzbare Strukturen für individualisiertes Lernen – von der Diagnose über Zielvereinbarungen bis hin zu Lernarrangements und der Feststellung von Lernfortschritten auf Basis von Kompetenzrastern.
Jan Runge (Hauptschule Damme) berichtete aus der Praxis des eigenverantwortlichen Lernens: In den Hauptfächern arbeiten die Lernenden in Lernbüros und legen Gelingensnachweise statt klassischer Klassenarbeiten ab; die Nebenfächer werden als Werkstätten angeboten, die von den Schülerinnen und Schülern alle sechs Wochen gewählt werden. Florian Reichmann (Gymnasium Stolzenau) führte in das Dalton-Konzept ein – ein Ansatz, der Schülerinnen und Schülern Freiheiten eröffnet, aber auch Selbstständigkeit einfordert. Carina Kronabel und Thomas Claußen (Gymnasium Papenburg) stellten ihr SOL-Konzept vor, das wöchentliche SOL-Stunden, Wochenpläne, Selbsteinschätzungen und regelmäßige Lernberatungsgespräche umfasst.
Arne Willms (Alexanderschule Wallenhorst) erläuterte das Lernformat FREIDay nach Margret Rasfeld und diskutierte mit den Teilnehmenden Transferideen für das Gymnasium Damme. Eva Suerkamp (Gymnasium Damme) zeigte am Churer Modell, wie Unterricht durch Lernbüros, klare Strukturen und individuelle Lernwege ruhiger, selbstständiger und lernwirksamer gestaltet werden kann – ohne zusätzlichen Perfektionsdruck für Lehrkräfte.
Den Ausklang bildete ein Marktplatz, an dem die Kolleginnen und Kollegen in einen regen Austausch traten. Es wurden Erfahrungen aus den Workshops geteilt, erste Ideen für die eigene Unterrichtspraxis entwickelt und nächste Schritte für die schulinterne Umsetzung von SOL-Ansätzen in den Blick genommen.
Der Fortbildungstag hat deutlich gemacht, dass selbstorganisiertes Lernen kein einheitliches „Rezept“ kennt, sondern als Sammelbegriff für unterschiedliche, passgenaue Ansätze steht. Die vorgestellten Modelle – von Lernbüros über Dalton bis zum FREIDay – zeigen, dass sich SOL-Elemente schrittweise und schulformspezifisch einführen lassen. Für das Gymnasium Damme ergeben sich daraus konkrete Anknüpfungspunkte. Die Ergebnisse des Fortbildungstages werden in den schulischen Gremien beraten und auf ihre Übertragbarkeit auf die eigene Schule hin geprüft.










