12.03.20
Markus Becker gibt eine starke Premiere

Pianist spielt erstes Konzert am Flügel nach dessen Rückkehr ins Gymnasium / Erst Klassik dann Jazzimprovisationen

Das Instrument hat einen großartigen Klang. Das Publikum war sehr angetan von der Veranstaltung.

Der Pianist war voll des Lobes. „Der Flügel hat einen tollen Klang. Er kann es mit allen Flügeln in den großen Konzerthäusern der Welt aufnehmen“, schwärmte Markus Becker beinahe schon in höchsten Tönen über das Ergebnis der Instandsetzung des Steinway Konzertflügels D-274, der seit 1969 in der Aula des Gymnasiums steht.

Der Förderverein hatte es in Oldenburg aufwendig sanieren lassen. Für das erste Konzert nach der Restaurierung hatte das Gymnasium den bekannten Pianisten Professor Markus Becker, der an der Hochschule für Musik und Theater lehrt, gewonnen. Bei der Veranstaltung am Montag zeigte der 1963 geborene, längst vielfach ausgezeichnete Pianist die große Vielfalt seines Repertoires, spielte im ersten Teil des mit „Europareise“ betitelten Konzerts Stücke von Alexander Skrjabin, Joseph Haydn, Claude Debussy, Johannes Brahms und Johann Sebastian Bach. Nach der Pause präsentierte Becker sich dem Publikum als virtuoser Jazz-Improvisator, der nicht nur Stücke anderer Komponisten spielte, sondern auch eigene wie das Stück „Hamsterrad“.

Aber egal ob Klassik oder Jazz, Markus Becker unterstrich seinen Ruf als gestaltungsmächtiger Interpret. Fast schien es, als verschmelze er mit dem Flügel, als vergesse er, wo er spielt. So etwa, wenn er, wie es Studienrat Klaus Preißer vom Gymnasium Unserer Lieben Frau in Vechta beschrieb, bei Haydns Klaviersonate in e-Moll, Hoboken XVI.34, zu Beginn in den Bässen im Piano einen hektisch in akzentuiertem Staccato aufsteigenden gebrochenen Molldreiklang erklingen ließ und die Oberstimme echoartig in kurzen, absinkenden und im zweistimmigen Legato gespielten Phrasen antwortete.

Zu Beginn des Konzertabends hatte Ludger Kässens, der Leiter des Gymnasiums, mit Blick auf den Flügel von einer Zeitreise gesprochen, die 1969 mit dem Kauf des Instruments durch den Förderverein der Schule begonnen habe. Nach der Restaurierung starte die neue Reise nun in die Gegenwart. Der Steinway sei ein Symbol für die vielfältige kulturelle Arbeit an der Schule. Großer Dank gebühre dem Förderverein, der die Restaurierung finanziert hat.

Das Instrument war am vergangenen Freitag gegen 13 Uhr wieder in der Schule eingetroffen. Da löste sich in der Schule eine gewisse Anspannung, schließlich war der Konzertabend mit Markus Becker fest terminiert. Der Professor war bereits am Sonntag angereist, um am Montagvormittag mit den Schülern der Musikkurse aus dem Jahrgang elf und interessierten Schülern aus dem Jahrgang zwölf einen zweistündigen Workshop abzuhalten.

Die Schüler versammelten sich auf der Bühne. Am Flügel erhielten sie auch eine Einführung in das Abendprogramm. Markus Becker präsentierte ihnen einzelne Musikstücke und erläuterte sie seinen Zuhörerinnen und Zuhörern. Das Interesse der Jugendlichen an den musikalischen, aber auch den biographischen Ausführungen über das Leben eines Pianisten sei groß gewesen.

(Quelle: Oldenburgische Volkszeitung, 04.03.2020)

KPL