30.10.19
Ein tolle Fahrt trotz Pech und Pannen

Trier-Fahrt der Lateiner vom 23.09. bis 27.09. September 2019

Wie immer fieberten die an der diesjährigen Trier-Fahrt teilnehmenden 42 Lateinschülerinnen und -schüler der diesjährigen Trier-Fahrt entgegen. Ein Novum und eine Besonderheit waren, dass dieses Mal drei Inklusionsschüler und ihre Betreuerin mit dabei waren.

Montag, 23.09.2018

Itineribus nostris praeerat imperator Burkhard Holst cum servis suis: Fred Wittnebel, Maike Vorpahl und Gaby Holst.

Pech: Wir trafen uns um 7.15 h; die Abfahrt war für 7.30 h geplant, um dem regen Verkehr, der um diese Zeit immer vor dem Gymnasium beginnt, zu entgehen. Das gelang uns leider nicht.
Unser Bus verspätete sich (ca. 50 Min.); wir konnten so früh am Morgen im Unternehmen nie-manden erreichen, um uns zu erkundigen, ob wir noch abgeholt würden, also blieb uns nichts anderes übrig als zu warten, Geduld zu haben, Geduld zu haben und nochmals Geduld zu haben und – dem Wetter zu trotzen, da es mittlerweile regnete. Wäre der Bus schließlich, von den vie-len Umleitungen aufgehalten, nicht doch noch gekommen, hätten wir unsere Schülerinnen und Schüler – Pech gehabt – in den Unterricht schicken und so den gesamten Stundenplan, von Herrn Schladitz so mühevoll gestrickt, durcheinanderbringen müssen. Glücklicherweise war dies nicht der Fall, und wir konnten mit einer Stunde Verspätung mit unserem sehr netten Busfahrer (Froh-natur aus Unterfranken) in unserem post-gelben Bus los düsen (die postgelbe Farbe hat uns – wie wir später auf Parkplätzen feststellen konnten – magisch angezogen, wir brauchten unser Gefährt nie zu suchen).

Panne: Als wir abends nach einem Besuch in der Colonia Ulpia Traiana (bei Xanten) und um einiges Wissen über die Römer reicher nur noch ungefähr eineinhalb Stunden von Trier entfernt waren, hatten wir 65 km vor Trier im „Nirgendwo“ eine Panne mit unserem Bus. Das wurde eine recht lange „Pause“ und eine Strapaze für unser aller Nervensystem: Können wir unsere Fahrt mit dem Bus fortsetzen oder müssen wir hier irgendwo im Nirgendwo übernachten? Unsere Vorräte waren fast aufgebraucht; ich habe festgestellt, dass „Teilen“ kein Fremdwort für uns alle war. Wer noch etwas zu essen oder zu trinken hatte, teilte es mit anderen, so dass keiner allzu große Not leiden musste. In gelber Warnweste postierte sich Fred Wittnebel gut sichtbar an der Einfahrt des kleinen Rastplatzes und passte auf, dass sich die Schüler und Schülerinnen auf dem Grünstreifen und nicht auf der Fahrbahn tummelten, Burkhard Holst – im Erstberuf Mechaniker – half tatkräftig bei der Reparatur mit (Anmerkung Gabriele Holst: Zum Glück habe ich seine fast neue ölverschmierte Strickjacke mit dem passenden Fleckenmittel wieder sauber bekom-men.). Da der Busfahrer keine vernünftige Auskunft über die Ankunft eines Pannenservice er-hielt, sondern nur vage Angaben, nahm Burkhard Holsts zweiter Beruf Wirtschaftsjurist Gestalt an und er telefonierte hartnäckig mit dem Busunternehmer und mit dem Pannenservice. Nun wussten wir, dass eine lange Wartezeit auf uns zukam. Puuuh, nach ca. dreieinhalb Stunden konnten wir unsere Fahrt – ohne dass jemand Schaden genommen hatte – fortsetzen. In dem Jugendgästehaus Trier bekamen wir, nachdem unser „imperator“ erfolgreich verhandelt hatte, sogar noch ein warmes Essen serviert.

Danach ging es für alle in die Falle. Es herrschte vollkommene Ruhe, alle waren total geschafft von diesem ersten aufregenden Tag.

Dienstag, 24.09.2019

Pech: Wasserschaden auf Zimmer 408
Wir waren nicht, wie eigentlich angenommen, im neu errichten Trakt untergebracht, sondern im renovierten alten, der schon wieder auf einigen Fluren und in einigen Zimmern eine Renovierung nötig hätte.

Nachdem wir alle zusammen am Vorabend noch die Probleme, die bei der Zimmerverteilung aufgetaucht waren, hatten lösen können, wobei sich unsere Schülerinnen und Schüler sehr kom-promissbereit, einsichtig und auch sonst sehr findig gezeigt hatten, konnten wir ein gemütliches Frühstück mit gut bestücktem Frühstücksbuffet genießen. Allerdings muss ein Lehrer aus Vlotho in der dritten Etage ein sehr strenges Auge auf Störungen jeglicher Art gehabt haben. Er be-schwerte sich nämlich, dass es auf seinem Flur in der Nacht zu laut gewesen sei. Kein Wunder, wir waren ja gerade erst eingezogen bzw. Zimmer 308 musste noch wegen logistischer Probleme in der Nacht in Zimmer 507 umziehen und Zimmer 507 in 308. Das ging nicht ganz lautlos vor sich.

Nach dem Frühstück ging es nach Trier hinein zur Porta Nigra. Hier hatten wir eine Begegnung mit einem Zenturio: Da die gehbehinderten Schüler die vielen Stufen der Wendeltreppe hinauf auf die Porta Nigra nicht bewältigen konnten, hatten sie mit dem Sklaven des Zenturio eine eige-ne exklusive Führung, die auch ganz lustig war (ich spreche aus Erfahrung).

Danach ging es weiter mit einer Stadtführung durch die Römerstadt Trier (älteste Stadt Deutsch-lands, von den Römern gegründet, die Römer nannten sie das „zweite Rom nördlich der Alpen“).
Hier waren unsere Inklusionsschüler alle drei auf großen Strecken auf den Rollstuhl angewiesen: Kopfsteinpflaster in der ganzen Stadt! Sieht ja schön aus, das Kopfsteinpflaster und ist modern, aber es eignet sich nicht für Gehbehinderte oder Menschen mit Glasknochen: fast jeder einzelne Stein bedeutet für sie ein fast unüberwindliches Hindernis oder eine Stolperfalle! Alle drei hatten aber einige sehr willige „Schubkräfte“, denen an dieser Stelle noch einmal ein sehr, sehr herzli-ches Dankeschön ausgesprochen werden soll. Auch Maike, die Betreuerin der Inklusionsschüler, war dabei immer sehr beherzt im Einsatz, ebenso packten der Busfahrer und wir Lehrer ent-schlossen mit an, wenn die Rollstühle bzw. der Rollator mehrmals am Tag aus dem Bus bzw. in
den Bus gehievt werden mussten.

Die Stadtführung in der Fußgängerzone mussten wir in diesem Jahr verkürzen, da alle Schüle-rinnen und Schüler von den Strapazen des Vortages immer noch „geschafft“ waren und ihre Vor-träge, die sie in der Trier-AG vorbereitet hatten, nur noch so dahinhauchen konnten, so dass man nicht alles verstand, was vorgetragen wurde. Hinzukam, dass es in der Stadt selbst noch sehr voll war und auch sehr laut zuging: aneinander vorbei drängelnde Passanten, hupende Lieferwagen, und Baustellen. Das bedeutete auch für die „Rollis“ und ihre „Schubkräfte“ und somit für uns alle erheblichen Stress, da wir ständig auf diese Hindernisse stießen und oftmals auch auf Unver-ständnis bei unseren schnell dahineilenden Mitbürgern. Aber unsere Laune ließen wir uns durch nichts und niemanden verderben. Nach einem Mittagessen im Jugendgästehaus und einer kurzen Mittagspause ging es weiter.

Am Nachmittag konnten wir eine gelungene Erlebnisführung mit dem römischen Baumeister Nubis in den Kaiserthermen genießen. Zu Beginn waren ein paar starke Männer (unsere Schüler!) nötig, um die Rollstühle in die Unterwelt der Thermen zu tragen und auch nachher wieder hinauf, und auch viele freiwillige Helfer (Schüler und Schülerinnen!) waren da, die die Inklusi-onsschüler beim Treppensteigen unterstützten. Maike gab uns, die wir ja Frischlinge auf dem Gebiet der Inklusion waren, immer wieder gute Anregungen.

Den Rest des Nachmittags und des Abends hatten die Schüler und Schülerinnen frei, um Trier auf eigene Faust zu erforschen, sich im Römermuseum umzuschauen, zu shoppen, den Straßen-musikanten zu lauschen oder sich im Jugendgästehaus anderweitig zu vergnügen. Hoch im Kurs standen die in dem Bistro des Hauses angebotenen knallblauen und knallroten Softdrinks.

Mittwoch, 25.09.2019

Wie jedes Jahr – Fahrt zur Villa Nennig (größtes erhaltenes römisches Fußbodenmosaik nördlich der Alpen), danach Fahrt zur Villa Borg (rekonstruiertes römisches Landgut) mit Führung durch die Räumlichkeiten (Empfangssaal, Badeanlage mit Ruheraum und Latrine, Küche und weitere Räume). Im angeschlossenen Museum erfuhren wir neben vielem anderen Interessanten aus dem alltäglichen Leben der Römer etwas, was einige von uns zunächst erröten ließ: Auch bei den Römern gab es schon ein florierendes sogenanntes „horizontales Gewerbe“. Wir erfuhren von einem Holzgestell namens „Hurenbock“. Dieses hatte aber als echtes Gestell eine ganz andere Funktion als der Begriff heute, der ja zu einem gemeinen Schimpfwort geworden ist. Wer Ge-naueres über die Verwendung des Gestells bei den Römern wissen möchte, kann sich im Internet darüber informieren.

Wir waren nun schon ziemlich müde, aber ein Abstecher zur in der Nähe gelegenen Saarschleife, der musste einfach gemacht werden! Von der Aussichtsplattform öffnet sich einem ein herrliches Panorama! Danach ging es zurück in das Jugendgästehaus. Dort trafen wir nach einigen „er-rores“ – es gab Baustellen und Umwege – wieder ein. Unser Busfahrer ließ sich durch nichts erschüttern. Er ist Franke, und die sind für ihre Ruhe bekannt!

Am Abend machten wir das Amphitheater unsicher, wo uns der Gladiator Valerius einen sehr anschaulichen Einblick in eine römische Gladiatorenschule und in das für uns heute vielfach sehr grausam anmutende Geschehen im Amphitheater vermittelte.

Auch an diesem Abend war es zunächst ziemlich ruhig auf den Fluren.
Na ja, denn dann geschah es: Gerüchte, Gerüchte, Gerüchte: „Ein „Sprung aus dem Fenster“. Ein Berufsschüler, der alkoholisiert oder bekifft war, warf mit einem Stein ein Fenster ein, was die Polizei auf den Plan rief. Sonst war nichts! Vom Lehrer aus Vlotho, der uns seit seiner Be-schwerde mit Nichtbeachtung strafte, kamen keine Klagen mehr.

Donnerstag, 26.09.2019

An unserem vorletzten Tag stand die Fahrt nach Luxemburg auf dem Programm. Auf dem Hin-weg regnete es in Strömen. Wir waren schon gaaanz traurig. Als wir den Bus dann  verließen, hörte es auf zu regnen. … Wenn Engel reisen … In Luxemburg hatten wir eine Stadtführung. Unseren Schülern und Schülerinnen hat diese Fahrt sehr gut gefallen, nur den Zwischenstopp an der Igeler Säule in Igel (römischer Grabstein) auf dem Hinweg hätten wir uns ihrer Meinung nach sparen können, das sei zu langweilig. Auch hier in Luxemburg konnten wir unsere Inklusi-onsschüler, die alle in einer Gruppe waren, gut mit einbinden.

Abends begegnete uns in Trier noch der Teufel. Zum Glück konnte er durch beherztes Eingreifen eines Mönchs schließlich vertrieben werden. Bischof Paul machte inmitten des Geschehens eine sehr gute Figur.

Als wir auf den Mönch warteten, ereignete sich Folgendes: Burkhard Holst erhielt eine Mail von Charlotte, einer ehemaligen Trierfahrerin, die ihm mitteilte, dass in diesem Jahr auch ihre Cousine die Trier-Fahrt mitmache. Er solle gut auf sie aufpassen. Wir schickten ihr daraufhin ein un-gestelltes Foto ihrer Cousine: Sie ließ sich gerade im Rollstuhl herumfahren. Soll einer sagen, wir passen nicht auf unsere Schäfchen auf! Danach war wieder das Jugendgästehaus angesagt. Auch an diesem Abend blieb es ruhig.

Freitag, 27.09.2019

Was ist die Zeit schnell vergangen! Gerade erst losgefahren und schon wieder geht es zurück!
Nach einem letzten guten Frühstück und dem letzten Packen eines Lunchpakets begaben wir Aufsichtspersonen uns auf „Stubenkontrolle“, die bis auf winzige Kleinigkeiten sehr erfolgreich verlief. So konnten wir pünktlich um 8.30 h die Rückreise beginnen.

Zwischenstopp machten wir am Kölner Dom. Beim Aussteigen aus dem Bus machten wir noch einmal die Erfahrung, dass manche Menschen keine Geduld bzw. kein Verständnis für andere aufbringen können. Als wir ausstiegen und die Rollstühle bzw. den Rollator aus dem Bus holten, gab es hinter uns ein Hup- und Pfeifkonzert, einige Autofahrer verließen sogar ihr Auto um sich bei uns zu beschweren. Immer mit der Ruhe … schließlich fuhr der Bus weg, und wir begaben uns zum Dom. Hier gab es einen Aufzug, den unsere Inklusionsschüler zusammen mit Fred für gut befanden. Auch in der Schatzkammer, die wir besuchten, waren alle Etagen mit dem Aufzug zu erreichen. Hier waren die Schüler und Schülerinnen einmal mehr sprachlos über die Gold-schätze, die die katholische Kirche besitzt. Einige Schülerinnen und Schüler meinten, dass man den Gegenwert dieser Schätze, also den dafür zu erzielenden Gewinn, in unser Welt, in der an so vielen Stellen Not und Armut herrscht, sicherlich besser verwenden könnte.

Nun machten wir uns endgültig auf den Heimweg. Da sich unsere Truppe auf dem Weg zum Dom, der direkt neben einem McDonald‘s vorbeiführte (!), vorbildlich – bis auf eine Person! – verhielt und den „Fresstempel“ nicht stürmte, belohnten wir sie, indem wir unsere letzte Rast auf einem Rastplatz machten, auf dem es ein Restaurant der genannten amerikanischen Firma gab. Guten Appetit.

Zu guter Letzt

Keine Pleiten: Immer, wenn wir an der frischen Luft waren, hat es kaum oder gar nicht geregnet.
Keine Pleiten: Es war immer schön frisch, wir kamen, bis auf eine Schülerin, kaum oder gar nicht ins Schwitzen, die Temperaturen waren sehr angenehm – im Gegensatz zum letzten Jahr.

Was ich jetzt noch erwähnen möchte, ist, dass es bei allen Führungen und Unternehmungen ein geradezu vorbildliches (nicht buchbares) Engagement von Seiten der Tourismusagenturen bzgl. der Inklusionsschüler gegeben hat: Was eben ging, wurde von diesen nach vielen Telefongesprä-chen, die Burkhard Holst mit ihnen führte und in denen er auch Vorschläge machte, möglich gemacht. Der Regisseur im Amphitheater blieb freiwillig länger, obwohl er schon Feierabend hatte, um denen, die nicht auf den glitschigen Stufen auf die Ränge des Theaters hochsteigen konnten, unten in der Arena das zu erklären, was da oben vor sich ging.
Außerdem ist es Burkhard Holst durch sein stures „Rollstühle nach vorn“ zu verdanken, dass es im Laufe der Woche gelang, alle Schüler und Schülerinnen, die gut zu Fuß waren, so zu sensibi-lisieren, dass sie bei den Führungen die Rollis nach vorn und auch bei unseren „Wanderungen“ die Rollis das Tempo vorgeben ließen, was manchmal ganz schön schnell war!

Was mir auf unserer Inklusionsfährt besonders aufgefallen ist, sind die vielen mitleidigen und bedauernden Blicke, die uns von Passanten zugeworfen wurden, sowohl den Inklusionsschülern als auch uns als Begleitern. Jan sagte, dass ihm das kaum noch auffalle.
 
Besonders möchte ich mich bei Fred Wittnebel bedanken, der mit seiner Umsicht, Ruhe und Ge-lassenheit viel zum Gelingen der Fahrt beigetragen hat, ferner bei Maike, die mit ihrer netten und humorvollen Art nicht nur ihre Schützlinge gut betreut hat, sondern die auch uns eine gute Hilfe war, und bei meinem Mann Burkhard, der die Fahrt – wie schon viele Male zuvor – geplant hat.

Auch euch Schülern und Schülern möchte ich für euer kollegiales Verhalten untereinander danken. Auch uns Aufsichtspersonen gegenüber habt ihr euch fast immer vorbildlich verhalten: Ihr wart pünktlich, habt die Regeln des Jugendgästehauses befolgt, habt Rücksicht auf andere ge-nommen, habt euch gegenseitig geholfen, …

Evaluation der Fahrt / Rückmeldungen der Schüler

HOL