22.05.19
Xanten - ein sehr lohnendes Ziel!

Fahrt der Latein-Schülerinnen und -Schüler des 6. Jahrgangs vom 30.04.2019 bis 02.05.2019

Wir hatten es kaum erwarten können. Endlich war es soweit. Am Dienstag, den 30.04.2019, ging es um 9.00 Uhr los: Abfahrt im modernen Reisebus nach Xanten, eine der von den Römern gegründeten Städte Deutschlands.

Als wir dort gegen 12.00 Uhr ankamen, hatten alle – fast alle (!): „Ich habe keinen Hunger, ich habe während der Fahrt zu viele Gummibärchen gegessen. Mir tut jetzt der Bauch weh.“ – einen Bärenhunger. Es gab auch schon bald Mittagessen. Wir saßen draußen auf der Terrasse der Jugendherberge – einem Atrium mit schattenspendenden Bäumen, und kleinem Bachlauf, umgeben von den vier Trakten der Jugendherberge –  ließen es uns schmecken und genossen entspannt die Sonne.

Am Nachmittag folgte dann unser erster Programmpunkt, nämlich eine Führung durch das LVR-Römermuseum im archäologischen Park Xanten: Hier wurden wir von der Zeit Cäsars bis zur Zeit Xantens, der drittgrößten römischen Stadt (nach Köln und Trier) nördlich der Alpen, durch die römische Geschichte geführt. Dort wurde uns ebenfalls die Geschichte der nebenan liegenden römischen Siedlung bzw. des römischen Militärlagers Colonia Ulpia Traiana (römische Stadt, die nicht überbaut wurde, auf dem Gebiet des heutigen Xanten) nähergebracht. Es präsentierten sich uns in dem modernen Museum viele militärische Funde, aber auch solche, die das alltägliche Leben betreffen. So kann man sich vor Ort z. B. selbst davon überzeugen, wie schwer ein Legionär auf seinem Marsch zu tragen hatte, wie die Römer ihre Dächer deckten und mit welchem Material sie ihre Häuser bauten, welch hübsche Fläschchen und Tiegel sie für ihre Kosmetikartikel verwendeten, wie sie sich in den Badeanlagen (Thermen) pflegten, wie ein gallisches Bauernhaus aussah, wie farbenfroh die Häuser, Tempel und Statuen bemalt waren, wie ihre Fußboden- und Wandheizung (Hypokausten) funktionierte und vieles mehr. In diesem Museum ist an vielen Stellen Anfassen und Mitmachen erlaubt bzw. erwünscht, was es für Kinder und Jugendliche noch interessanter macht.

Nach dem Abendessen hatten wir viel Spaß bei römischen Spielen, die uns von Museumspädagoginnen gezeigt wurden und die sich sehr gut zum Nachspielen eignen: Die Römer kannten nämlich schon viele Spiele, die wir heute noch spielen, z. B. Mühle und Backgammon. Die Schülerinnen und Schüler waren auch bei verschiedenen Geschicklichkeitsspielen (vgl. Boule) sehr erfolgreich.
Dass die Spielsteine häufig aus Knochen gefertigt waren, erstaunte uns, aber bald schon fanden wir nichts mehr dabei. Knochen sind jedenfalls ein umweltfreundlicherer Werkstoff als Plastik. Man erklärte uns, dass bei den Römern von einem Nutztier nach der Schlachtung nichts übrig blieb: Alles fand Verwendung. So lebten die Römer in dieser Beziehung schon sehr umweltbewusst.

Am nächsten Morgen wurden wir durch das antike historische Bodendenkmal Colonia Ulpia Traiana geführt, das größte archäologische Freilichtmuseums Deutschlands, das von etwa 100 bis 275 n. Chr. bestand, das dem Schutz der Grenze zu den Germanen diente und das Umschlags- und Handelsplatz für Waren aus anderen Ländern war. Hier erlebten wir die Antike hautnah: Der zum Teil wiedererrichtete Hafentempel ließ uns die Größendimensionen mancher antiken Bauwerke erahnen; ausgegrabene Fundamente verdeutlichten uns die Ausmaße einer römischen Insula; Handwerker boten uns in ihren Auslagen einen Einblick in ihre Gewerke; ein rekonstruiertes Bad zeigte uns, wie die Römer Freizeit und  Körperpflege miteinander verbanden; im Amphitheater konnten wir hinter Gittern wilde Tiere beobachten; auch den Ort, „wohin auch der Kaiser zu Fuß geht“, bekamen wir zu sehen. In einem Workshop stellten wir anschließend jeder für sich unter fachkundiger Anleitung ein römisches Wachstäfelchen her und einen Stilus, mit dem man auf dem Wachstäfelchen etwas einritzen kann. Wir alle wurden zu richtigen Handwerkern. Anschließend fand noch eine Rallye durch den archäologischen Park statt. Später hatten wir dann genügend Zeit, im Museumsladen ein-zukaufen und die super Hüpfburg zu nutzen, die sich auf dem Gelände des archäologischen Parks befindet.
Da wir ja in diesem Jahr zum ersten Mal nach Xanten gefahren sind und nur für zwei Übernachtun-gen Zeit hatten, gaben wir unseren Schülerinnen und Schülern nach und erlaubten ihnen am „letzten“ Abend „Freizeit“ zu haben zum gemeinsamen Reden, Spiele spielen, Fußballspielen, Herumalbern, die Zeit mit Freunden bzw. Freundinnen zu genießen, das Umfeld der Jugendherberge, die an einem See liegt, zu erkunden, …

Im nächsten Jahr werden wir sicherlich auch die Stadt Xanten unsicher machen (Stadtrallye), wozu uns in diesem Jahr leider die Zeit fehlte. Man sieht, wir haben uns am historischen Ort über die römische Kultur und Geschichte informiert: aber wir haben auch Zeit zum Ausruhen und Genießen gehabt, was bei der tollen Jugendherberge nicht schwerfiel. Die Schülerinnen und Schüler haben sich insgesamt – kleinere Streitigkeiten und Scharmützel gibt es wohl immer – sehr gut untereinan-der verstanden und sich auch angemessen verhalten, so dass es keinen besonderen Anlass zur Klage gab.

Wer jetzt Lust darauf bekommen hat, mehr zu erfahren, der sollte im nächsten Jahr mit nach Xanten fahren und seine eigenen Erfahrungen sammeln oder darf sich auch auf das diesjährige Jahrbuch freuen: … Insektenfänger, … Wunderheiler, … Stubeninspektoren, … Erbsenzähler, … Sieger und Verlierer, … Spurensucher, …, Seelentröster, …  Man sieht, für alle Freunde von Geschichte und römischer Kultur ist Xanten ein sehr lohnendes Ziel.

HOL