17.05.19
Gymnasiasten überzeugen mit schwerer Kost

Sexualität, Pubertät, schulischer Druck: Dammer Schüler wagen sich an Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“

Die Ansprüche an sich und die Zuschauer sind groß. Und es gibt eine Rolle, die es nicht im Original gibt.

Frank Wedekinds 1891 erschienenes gesellschaftskritisch-satirisches Drama in drei Akten „Frühlings Erwachen“: Es ist schwere Kost, die sich die Franz-Dirk Willenbrink und Michael Sieve betreute Theater-Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums Damme in diesem Jahr für die Aufführungen ausgesucht hat. Der Untertitel macht es deutlich: „Eine Kindertragödie“.

Es geht um Jugendliche, die in der Pubertät sind und ihre ersten sexuellen Erfahrungen gemacht haben oder gerade machen. Frank Wedekind hat sie in ganz unterschiedlichen Familien angesiedelt. Die eine ist eher liberal im Umgang mit Sexualität, die andere schweigt das Thema am liebsten tot. In der dritten wird die pubertierende Tochter geschlagen, was Martha mit dem Satz kontert: „ Wenn ich einmal Kinder habe, lasse ich sie wachsen wie das Unkraut in unserem Garten.“ Meint: so frei und ungestutzt.

Neben der eigenen Entwicklung mit den aufkommenden Sehnsüchten und den verständnislosen Eltern sehen sich die Jugendlichen mit dem Druck der Schule konfrontiert. Letzterer treibt Mona Stiefel (Diana Pletner) – diese Rolle gibt es im Original nicht, Franz-Dirk Willenbrink und Michael Sieve haben sie in die Aufführung hineingeschrieben – in den Selbstmord.

Und noch eine zweite Jugendliche stirbt: Wendla Bergmann (Berit Peylo) ist schwanger, nachdem sie mit Melchior Gabor (Dennis Grambke), einem sexuell aufgeklärten Gymnasiasten, geschlafen hat. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, drängt Frau Bergmann (Miriam Mertes) ihre 14 Jahre alte Tochter zur Abtreibung. Diese überlebt Wendla nicht. Die Tragödie zeichnet sich bereits ab, als Wendla ihre Mutter bittet, ihr zu erklären, wie eine Frau schwanger wird. Die Mutter kann oder will nicht antworten, weil es der Anstand gebietet, nicht über Sexualität zu reden. Schließlich flüchtet sie sich in die Floskel: Frauen würden schwanger, wenn sich Mann und Frau ganz intensiv lieben.

Die Theater-AG zeigt mit der Aufführung eindrucksvoll, dass sie auch „schwere Kost“ kann. Bei der Aufführung greift die AG auf bewährte ehemalige Schüler im Ensemble zurück. Neben Dennis Grambke sind das Wilko Deden in der Rolle des Moritz Stiefel, der im Wedekind-Original am Druck durch die Schule zerbricht und sich selbst tötet, sowie in den Rollen des Herrn und der Frau Gabor Alexander Straub und Lena Völkerding.

Ein großes Lob verdienen sich aber nicht nur die Schauspieler für die überzeugenden Leistungen, sondern auch alle, die im Hintergrund wirken und die Aufführung so erst ermöglichen.

Ankündigung der OV vom 05.05.2019

Bericht der OV vom 10.05.2019

KPL (Oldenburgische Volkszeitung, 10.05.2019)