30.09.18
Lernen, Verantwortung zu übernehmen

Baby-Simulationspraktikum in den Jahrgängen 10 und 9

Zum ersten Malt traut sich ein Schüler, am Elternpraktikum teilzunehmen. Issajan hat die Verantwortung für eine Baby-Simulationspuppe übernommen und ist damit der erste Junge, der am Elternpraktikum am Gymnasium Damme teilgenommen hat. Dazu gehört sicher eine besondere Portion Mut und Selbstbewusstsein. Klasse, Issajan, toll gemacht. Dieses Lob gilt aber auch allen anderen Beteiligten, die die Mühen des Elternpraktikums auf sich genommen haben.

In den letzten 2 Wochen waren in den Klassenräumen der Jahrgänge 10 und 9 noch mehr Geduld und Verständnis gefragt als üblich: Oft wurde der Unterricht durch lautes Baby-Geschrei unterbrochen (aber auch durch glückliche Geräusche…).

Auch in diesem Jahr fand wieder das freiwillige Elternpraktikum in Zusammenarbeit mit Fr. Prüllage von der Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae in Vechta statt. Für ca. zwei Tage – und zwei meist unruhige Nächte – waren die Schülerinnen und ein Schüler für die Versorgung eines „Babys“, d.h. einer Baby-Simulationspuppe, verantwortlich. Sie mussten sie füttern, aufstoßen lassen, wickeln, wiegen und trösten und sie dabei immer sicher und vorsichtig halten.

Die Programmierung der Tagesabläufe der „Babys“ basiert auf realen Protokollen von Müttern mit echten Babys, sodass die Aktivität der „Babys“ sehr unterschiedlich ausfallen kann. Vom „Schreikind“ bis zum pflegeleichten „Einsteiger-Baby“ ist alles möglich…(Die Teilnehmer können selbst zwischen den Pflegestufen leicht bis schwer wählen.)

Am Ende der Zeit erfolgt die Computerauswertung, die nicht nur die Schreizeit genau aufzeichnet, sondern auch alle Pflegemaßnahmen, Vernachlässigungen und grobe Behandlungen. Neben dieser für alle Beteiligten spannenden Auswertung („Wie war ich denn als Mutter/Vater? Habe ich die Bedürfnisse des „Babys“ richtig erkannt und es gut versorgt?“) stehen auch die grundsätzlichen Probleme „Möchte ich Kinder? Wenn ja, wann? Wie schwer ist es, Schule und Baby-Versorgung unter einen Hut zu bringen?“ im Zentrum der Diskussion.

Am Ende des Praktikums formulieren die Teilnehmer ein persönliches Fazit dieser Zeit, das verdeutlicht, was sich für sie durch diese Zeit als „Eltern auf Probe“ verändert hat.

Hier ein paar Beispiele:

  • Es fällt mir schwer, das Kind wieder abzugeben...
  • Jetzt möchte ich noch kein Baby! Nicht in der Schule!
  • Eine anstrengende, aber coole Erfahrung.
  • Phasen der Überforderung und des Gefühls, es zu schaffen, wechseln sich ab.
  • Ich weiß jetzt mehr zu schätzen, was meine Mutter geleistet hat und noch leistet…
  • Wenn man ein Kind langfristig versorgen muss, ist es schon gut, wenn man Hilfe, z.B. durch einen Partner, hat.

 

Einige Kollege haben gefragt, was denn die Zielsetzung dieses Praktikums sei. Darauf gibt es eine Menge Antworten, z.B.:

1. Verantwortung übernehmen ... 

  • ... für ein Baby/eine Simulationspuppe, die den Bedürfnissen echter Babys nachempfunden ist,
  • ... für sich und seine Entscheidung im Umgang
  • ... mit Sexualität.

 

2. Sich selbst in Grenzsituationen erleben:

  • Wie reagiere ich, wenn ich müde und gestresst bin? Wie gehe ich mit „dem Baby“ und mit meinen Mitschülern um?

 

3. Selbstwertgefühl steigern:        

  •  Ich kann eine schwierige Aufgabe meistern! Auch wenn ich ansonsten in der Schule vielleicht nicht so erfolgreich bin…

 

4. Geduld und Rücksichtnahme:    

  •  Das betrifft sowohl die Praktikantinnen als auch alle Mitschüler!

 

Hier könnte man sicher noch viele weitere Ziele anführen. Sicher ist aber, dass die beteiligten Schülerinnen und auch die Mitschüler „etwas fürs Leben“ gelernt haben.

Beispielhaft für alle Beteiligten hier Fotos von 3 Gruppen.

VÖG