13.12.17
Orpheus und Eurydike ...

oder Latein-Unterricht heute

Bleistiftzeichnung: Rosa Bünker

Rede: Ben Sichler

Dass Latein – anders als es manch Unwissender vermutet – kein angestaubtes Fach ist, das nur aus Grammatik und Vokabeln besteht und nicht mehr in unsere moderne Welt passt,  zeigte sich beispielsweise vor kurzem für die SchülerInnen des Jahrgangs 9 in Lektion 26 des Lehrbuches, die den Mythos von Orpheus und Eurydike behandelt:

Das Schicksal raubt dem berühmten Sänger Orpheus seine frisch angetraute Ehefrau Eurydike, die durch einen Schlangenbiss plötzlich ihr Leben verliert. Aus lauter Kummer und Schmerz steigt Orpheus unter Überwindung zahlreicher Hindernisse zu den Göttern der Unterwelt hinab, um sie um die Rückkehr seiner geliebten Frau in die Welt der Lebenden zu bitten. Nach einer flammenden Rede lassen sich die Götter erweichen und gewähren Orpheus seinen Wunsch, aber unter einer Bedingung: Er darf auf dem Weg aus der Unterwelt nicht zurückblicken. Auf dem schwierigen Rückweg voller Gefahren kann er jedoch aus Liebe und Sorge nicht anders, als seinen Blick auf Eurydike zurückzuwenden, worauf sie nun aber endgültig ins Reich der Toten entschwindet.

Dieser Mythos bot den Schülern nicht nur eine spannende Erzählung voller Action und Emotionen, sondern auch genug Möglichkeiten, existenzielle Fragen, die für uns heutzutage immer noch relevant sind, zu beantworten: Was vermag die Liebe? Wie lassen sich Menschen von Gefühlen leiten? Inwieweit können Emotionen die Handlungen von Menschen entschuldigen? Wie können wir mit der Endgültigkeit des Todes bzw. Schicksalsschlägen im Allgemeinen umgehen? usw. Die Antwort des Mythos lautete: Blicke stets nach vorn in die Zukunft und trauere nicht allzu lange Dingen nach, die du nicht mehr ändern kannst.
Die Unterrichtsergebnisse wurden dabei z.T. auf kreative Art und Weise festgehalten. So entstanden Zeichnungen, innere Monologe der einzelnen Charaktere oder auch selbst verfasste Reden des Orpheus vor den Göttern.

SYD