27.05.20
Homeschooling

Interview im Rahmen des WPU-Journalismus Jahrgang 8

Bild von Free-Photos auf Pixabay

Ich habe ein Interview zum Thema Homeschooling während der Corona-Zeiten geführt. Dazu wurden Anna, eine Schülerin aus dem achten Jahrgang des Dammer Gymnasiums, und Frau Brinkmeier, eine Lehrerin dieses Gymnasiums, gewählt.

Seit einigen Wochen findet das Homeschooling an unserer Schule statt. Was halten Sie von der momentanen Situation?

Lehrerin:
Ich finde die momentane Situation sehr belastend. Ich unterrichte lieber die Schüler im Klassenraum. Dann habe ich auch das Feedback, ob die Schüler das verstanden haben, was ich ihnen erkläre. Die Videokonferenz ist nur ein halber Ersatz, weil ich immer darauf angewiesen bin, dass die Schüler mir irgendwie signalisieren, dass sie mehr Informationen oder Erklärungen brauchen. Im normalen Unterrichtsgeschehen sehe ich schon an fragenden Gesichtern, dass ich nochmal nachhaken muss.

Schülerin:
Am Anfang hat man sich darüber gefreut, dass man seinen Tag selber planen kann und der Unterricht per Videokonferenz stattfindet, doch ich finde, nach einiger Zeit fehlt die Motivation zum selbstständigen Arbeiten. Dadurch schiebt man die Aufgaben auch des öfteren mal auf, um sie später zu machen.

Was halten Sie von den Möglichkeiten auf IServ?

Lehrerin:
Die finde ich gut. Ein positiver Aspekt am Homeschooling ist, dass wir im Moment so gut mit IServ umgehen können, wie noch nie zuvor. Man hat jetzt auch wirklich mal diese Module benutzt bei IServ, die wir bisher alle irgendwie nur ignoriert haben. Außerdem glaube ich, regelmäßig mal bei IServ nachzuschauen, ob man E-Mails bekommen hat, ist jetzt auch für die Schüler ein etablierter Weg sich mehr damit auseinanderzusetzen. Das hoffe ich, wird auch nach Corona so bleiben.

Schülerin:
Ich finde dadurch, dass IServ sehr viele gute Möglichkeiten, wie das Modul Aufgaben oder die Videokonferenzen, bietet, wird es erheblich einfacher, die Aufgaben zu bearbeiten. Außerdem wird durch das Aufgaben-Modul auch eine gute Übersicht ermöglicht.

Glauben Sie, dass das Aufgaben Tool auch nach der Corona Krise noch Verwendung findet?

Lehrerin:
Nein, das glaube ich eher nicht. Ich denke, wenn wir uns wieder alle in ganzen Klassen wiedersehen, wann auch immer das sein wird, dann denke ich werde ich Aufgaben wieder wie gewohnt aufgeben. Letztendlich ist es vielleicht auch zur Rückmeldung von schriftlichen Arbeitsergebnissen ganz gut, weil dann hat man relativ schnell einen Überblick, wer es schon abgegeben hat und wer nicht.

Schülerin:
Ich glaube eher nicht, da wir dann wieder in der Schule sind und dort die Aufgaben wie gewohnt  bekommen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass einige Lehrer es weiterhin in den Unterricht mit einfließen lassen, da man es vielleicht in deren Fächern noch verwenden könnte.

Wie lange arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag, seit Beginn des Homeschoolings?

Lehrerin:
Das ist natürlich von Tag zu Tag unterschiedlich, aber ich denke die Arbeit ist nicht weniger geworden. Man muss immer überlegen, dass die Zeit, die ich vorher in der Schule im Unterricht verbracht habe, jetzt mit den Korrekturen und Vorbereitungen von Videokonferenzen, Entwicklung von Arbeitsblättern und noch viel mehr verbrauche. Ich sitze mehr am Schreibtisch, als ich das vorher getan habe. In sofern fühlt sich die Arbeitszeit länger an, aber ich denke, dass es relativ gleich geblieben ist.

Schülerin:
Ich arbeite seit Beginn des Homeschoolings durchschnittlich 3 Stunden pro Tag. Das hängt allerdings auch von der Menge an Aufgaben ab und kann deshalb auch mal mehr oder weniger werden.

Wie beschäftigst du dich momentan in deiner Freizeit?

Schülerin:
Vormittags setze ich mich an meine Aufgaben und bin dann zum Mittagessen fertig. Danach beschäftige ich mich mit den gleichen Dingen, wie auch in der „normalen“ Schulzeit. Unter anderem lese ich gerne oder gucke Serien und Filme auf Netflix, jedoch kann ich mich natürlich nicht mit meinen Freunden treffen.

Glauben Sie, dass die Schüler dieses Jahr weniger Stoff schaffen werden?

Lehrerin:
Ja, weil wir nicht mehr so intensiv unterrichten und neues Wissen vermitteln, sondern mehr wiederholen und einüben, wobei uns natürlich auch eine Menge Zeit verloren geht. Ich denke schon, dass die Schüler nicht inhaltlich das schaffen werden und nicht von der Qualität, wie sie es sonst getan hätten in diesem Schuljahr, aber da es allen Schülern gleich geht, werden diese Inhalte dann im nächsten Schuljahr wiederholt. Ich mache mir schon ein bisschen Sorge, dass die Schüler, die das Homschooling nicht besonders ernst nehmen, im nächsten Schuljahr erschrocken sein werden. Es wird dann mit gesteigerter Schnelligkeit wieder losgehen, da wir Stoff nacharbeiten müssen. Wir Lehrer werden davon ausgehen müssen, dass das, was jetzt im Homeschooling vermittelt wurde, auch angekommen ist.

Glauben Sie, dass die Noten der Schüler unter der Corona Krise leiden werden?

Lehrerin:
Nein, ich glaube ihr habt ja noch einen guten Überblick, wie ihr in welchem Fach standet, als das mit der Corona Krise losging. Wer seine Note verbessern möchte, der kann das ja auch noch auf freiwilliger Basis, aber es verschlechtert sich auch keiner mehr durch irgendeine Klassenarbeit.

Glauben Sie, dass einige Schüler mit dem Homeschooling Schwierigkeiten haben?

Lehrerin:
Ja, da man sich nicht sicher sein kann, ob alle Schüler wirklich digital so gut aufgestellt sind, dass sie zum Beispiel immer die Arbeitsblätter zuhause ausdrucken können. Außerdem kann man nicht wissen, ob die WLAN und die Internetverbindungen immer so stabil sind, dass sie auch den Videokonferenzen gut folgen können. Zudem ist es momentan sehr den Schülern überlassen, wie intensiv sie sich zum Beispiel mit den Hausaufgaben auseinandersetzen und ob sie nachhaken oder es wirklich verstanden haben. Dadurch dass Klassenarbeiten auch nicht stattfinden und bei einigen Fächern oft nur für die Arbeiten gelernt wird, wird es schwieriger die Schüler zu motivieren, mehr dafür zu lernen.

Schülerin:
Ich glaube, dass einige Schüler Schwierigkeiten haben werden, da es eine Umstellung ist, nun selbstständig von zuhause die Aufgaben zu bearbeiten und man manchmal den Überblick verliert oder die Aufgaben aufschiebt. Außerdem bekommt man den neuen Lernstoff ausführlicher und verständlicher erklärt, wenn man in der Schule sitzt und der Lehrer auf Fragen eingehen kann. Ich glaube auch, dass einige Schwierigkeiten haben mit den technischen Aspekten des Homeschoolings. Nicht jeder hat zuhause einen Laptop oder PC, womit das Bearbeiten von Aufgaben um einiges leichter sein würde.

Wie wird es nun weitergehen bezüglich Prüfungen und Klassenarbeiten?

Lehrerin:
In den Hauptfächern sind ja üblicherweise 4 bis 5 Klassenarbeiten pro Schuljahr und die werden wir nicht mehr durchziehen können. Die meisten Fächer haben schon entschieden, dass wenn überhaupt nur höchstens 4 Klassenarbeiten im Schuljahr geschrieben werden, aber auch da werden wir uns, weil wir immer nur die halben Arbeitsgruppen haben werden, eine A und eine B Klassenarbeit überlegen müssen. Falls wir die Schülerinnen und Schüler überhaupt noch Arbeiten schreiben lassen können.
Ich glaube auch nicht, dass in sämtlichen Nebenfächern Klassenarbeiten geschrieben werden, es kann also gut sein, dass ihr dieses Schuljahr in einigen Fächern keine Arbeiten mehr schreiben werdet. Statt Klassenarbeiten werdet ihr möglicherweise Ersatzleistungen wie Referate oder umfangreiche Hausaufgaben erbringen müssen. Da müsst ihr euch mit euren Lehrern unterhalten. Falls die Vorleistungen im ersten Schuljahr vielleicht nicht so gut waren, wie ihr es euch gewünscht hättet und bisher keine Möglichkeit hattet in Arbeiten eure Note zu verbessern, dann solltet ihr eure Lehrer ansprechen und gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Schülerarbeiten des WPU-Journalismus der Jahrgänge 8 und 9 finden Sie unter:https://wordpress.nibis.de/gymdamme/coronarchiv/

Clara B. (WPU Journalismus Jg. 8)