Gymnasium ist tatsächlich „Kulturzentrum“ für die Region

Seit 50 Jahren in Damme verwurzelt

Die Anfänge des Gymnasiums Damme gehen in eine Zeit zurück, in der sich die Bundesrepublik Deutschland im Boom des „Wirtschaftswunders“ befand, in der Georg Picht jedoch gleichwohl die „Bildungskatastrophe“ diagnostizierte. Letztere sah er insbesondere für die ländlichen Gebiete. Die Gemeinde Damme hatte derweil jahrelang vom Eisenerzbergwerk profitiert, auch wenn dessen Ende in den fortschreitenden 1960er Jahren immer deutlicher wurde. Gleichzeitig vollzog sich vor Ort der Strukturwandel einerseits in der bis dahin dominierenden Landwirtschaft, andererseits innerhalb der Wirtschaftssektoren hin zu Industrie und Dienstleistungen. Die Bedeutung Dammes für ein gemeindeübergreifendes Umland mit einem damaligen Einzugsbereich von weit über 30 000 Einwohnern nahm stetig zu. Das drückte sich schon allein in der Einwohnerzahl aus, die 1964 erstmals die 10.000er-Marke überschritt.                                                                                     
       In diese Zeit der Veränderungen ließ der Ruf nach Errichtung eines Gymnasiums in Damme, dem zentralen Ort des Südteils des Landkreises Vechta, nicht lange auf sich warten. Vornehmlich betrieb Dr. Franz Holthaus (1911-1999), seit November 1945 hiesiger Gemeindedirektor, dieses Ansinnen mit Vehemenz. Er, der die Dammer Nachkriegsentwicklung wie kein anderer intensiv angestoßen, vermittelt und begleitet hatte, vermochte Ende 1963 den Dammer Gemeinderat zu überzeugen, den Antrag auf Genehmigung zur Errichtung eines Gymnasiums in Trägerschaft der Gemeinde Damme beim Bundesland Niedersachsen zu stellen.
        Auf der Basis gründlich recherchierter Erhebungen zu Schülerzahl und Wirtschaftsentwicklung gelang es ihm sogar, dem Landkreis eine 60-prozentige Beteiligung an den Baukosten abzuringen und die Landesbehörden mit den Standortvorteilen Dammes zu beeindrucken. Der alsbald genehmigte Unterricht konnte bereits zu Ostern 1966 aufgenommen werden, vorerst in der früheren Volksschule an der Gartenstraße.
        Das neue Dammer Gymnasium führte zu Beginn die Bezeichnung i.E. (in Entwicklung) und startete mit drei fünften und zwei siebten Klassen, d.h. 169 Schüler/inne/n und sieben Lehrkräften, darunter den Schulleiter aus Vechta kommenden ersten Schulleiter Heinrich Holtvogt (1927-2012). Schon zuvor hatte am Osterberg im Nordhofe eine umfangreiche Bautätigkeit eingesetzt, so dass nach zwei gekürzten Schuljahren in der alten Volksschule das dritte vollständige Schuljahr zum 15.08.1967 am endgültigen Bestimmungsort begann.
        Die weitere Bautätigkeit verlief nunmehr genauso intensiv wie die Suche nach Lehrkräften für die ständig steigende Schülerzahl. Die Gemeinde Damme unterstützte die Anwerbung neuer Lehrkräfte mit der Bereitstellung von günstigen Bauplätzen oder Wohnungen. Die Vollendung weiterer Bauabschnitte erfolgte am neuen Standort fortan im Zweijahresrhythmus: Klassen- und Fachtrakte, Aula, Sport- und Schwimmhalle waren schließlich 1973 mit einer Gesamtbausumme von 10 Mio. DM fertig gestellt.                                      
       Zudem bot das zunächst als neusprachlich eingerichtete Gymnasium ab 1969 auch einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig, ergänzt zum Schuljahrsbeginn 1971/72 durch die hauswirtschaftliche Abteilung oder das Gymnasium für Frauenbildung. Im Folgejahr 1972 gab es dann das erste Abitur. Nun vollständig ausgebaut hatte diese Schule 47 Lehrer/innen, die 902 Mädchen und Jungen in 31 Klassen unterrichteten.
       Diese Zahl reduzierte sich jedoch um 200, als Niedersachsen 1975 für die Klassen 5 und 6 die Orientierungsstufe einführte, wobei eine der zwei in Damme eingerichteten OS ihre Räume in einem Klassentrakt des Gymnasiums Damme erhielt. Parallel dazu ging wegen des Gymnasialschüler-Einzugsbereichs die Übergabe der Trägerschaft von der Gemeinde Damme auf den Landkreis Vechta einher.       
       In den Folgejahren veränderte sich nach Abschaffung der herkömmlichen Gymnasialzweige durch die reformierte Oberstufe und deren Kurswahlsystem der Fächerkanon: Wirtschaft, Politik, Werte und Normen, weitere Fremdsprachen (Spanisch, für einige Jahre: Russisch), schließlich ab 1987 Informatik und zuletzt Darstellendes Spiel nahmen mit Abiturrelevanz an Bedeutung zu, wobei einige Fächer bilingual unterrichtet wurden, dagegen Hauswirtschaft und Werken ganz verschwanden.                                                                                   
       1985 wechselte die Leitung der Schule von Heinrich Holtvogt zu Alfons Zimmer. Neben weiteren baulichen und ausstattenden Veränderungen rückte das Europa-Bewusstsein mehr in den Vordergrund. Den Anfang machte 1985 der deutsch-französische Schüleraustausch mit dem Collége St. Joseph in Janzè (Bretagne). 1992 kam ein England-Austausch mit der St. Joan of Arc Comprehensive School in Rickmansworth für acht Jahre hinzu. Seit 2002 gibt es einen regelmäßigen Ungarn-Austausch mit der Partnerschule Babits Mihaly Gyakorlö Gimnazium in Pécs, seit 2006 die wechselseitigen Polen-Besuche aus/in Gizyko (Masuren) bzw. Gdynia (Gedingen). Diese langfristig angelegten Aktivitäten fanden 2014 schließlich ihre Anerkennung in der Auszeichnung „Europaschule“.
       Eine Besonderheit bildete darüber hinaus die 1988 übernommene Patenschaft über den Comedor Escolar Wisllita in Pampahasi bei La Paz in Bolivien, das die Partnerschule Delia Gambarte de Quezada unterhält. Mit permanenten Aktionen und einem alljährlichen Bolivien-Basar unterstützt das Gymnasium Damme diese Bildungsanstalt für elternlose oder verwahrloste Kinder mit beträchtlichen Summen.       
       Außerschulische Beziehungen pflegte das Gymnasium Damme zudem durch die bereits 1971 erfolgte Gründung eines Fördervereins sowie durch verschiedene Kooperationen mit der heimischen Wirtschaft, wodurch Umbauten in Fachräumen für Musik, für die Naturwissenschaften, in der Bibliothek und in der Aula sowie vielerlei Unterstützung für Schüler/inne/n ermöglicht wurden. Gleichwohl setzten jährlich wiederkehrende Aktionen wie das MIG (Management Information Game) oder das Börsenspiel Akzente in der Zusammenarbeit, die auch berufsfindende Funktion hatten. Andererseits erarbeiteten Schülergruppen naturkundliche und historische Konzepte zur hiesigen Flora, Fauna, Landschaft und Ortsentwicklung, die Grundlage für den heimischen Tourismus und Naturschutz wurden.      
        Mit dem zweiten Schulleiter-Wechsel im Jahr 2000 ging Alfons Zimmer in den Ruhestand und kam Peter Rörsch, den bereits 2006 Michael Zeuke kommissarisch, ab 2008 ganz ablöste. Zum Jahrtausendwechsel hatte das Gymnasium 791 Schüler/innen bei 70 Voll- und Teilzeit-Lehrkräften sowie mehreren Referendaren, da Damme Ausbildungsschule für das Studienseminar Osnabrück geworden war. Der längst fällige Bau eines größeren Lehrerzimmers erfolgte kurz darauf. Im gleichen Jahr intensivierte sich die Öffentlichkeitsarbeit mit der nun regelmäßigen Herausgabe eines Jahrbuchs und der Gründung eines Ehemaligenvereins (1997).    
        Die Schulstrukturreform 2004 brachte die Klassen 5 und 6 nach Abschaffung der Orientierungsstufe wieder zurück ans Gymnasium, nachdem sie schon 1993 die Räume im Trakt 1 verlassen hatte. Allerdings war die Schülerzahl mittlerweile auf 1358 gestiegen, so dass seitdem Klassen in der nahe gelegenen Hauptschule belegt werden mussten. 2006 kam dann nicht nur das erste Zentralabitur, sondern auch das Ganztagsschul-Angebot hinzu, zumal der Nachmittagsunterricht zunehmend zur  Regel wurde. Das wiederum zog 2009 den Anbau eines Mensa- und Bibliotheksgebäudes nach sich.        
       Im gleichen Jahr überstieg die Zahl der Lehrkräfte erstmals 100, während 1426 Schüler/inne/n das Gymnasium Damme besuchten. Über die Dauer von 2 ½ Jahren begann nun die „energetische Gebäudesanierung“, die das Gesicht des Gymnasiums vollkommen zum heutigen Aussehen veränderte. Parallel dazu gab es im neuen Jahrtausend eine Fülle von Teilnahmen an internationalen Wettbewerben, Qualifizierungsmaßnahmen, Kooperationsvereinbarungen, Auszeichnungen und außerschulischen Angeboten, die allesamt das Renommee des Gymnasiums Damme erhöhten. 
       Letztlich wird neben dem umfassenden Bildungsauftrag dieser Schule durch die vielen Aktivitäten außerhalb und in Ergänzung zum alltäglichen Unterricht für die Region deutlich, was der seinerzeitige Bürgermeister Heinrich Wolking bei der Einweihung 1966 als Wunsch formulierte: „...dass unser Gymnasium ein Kulturzentrum wird.“

Literatur/Quellen:
Holtvogt, Heinrich/Zimmer, Alfons: 25 Jahre Gymnasium Damme – ein Rückblick, in: 25 Jahre Gymnasium Damme, Festschrift, hg. vom Gymnasium Damme, ebd. 1991, S. 09-16
Litzenburger, Sigrid et al.: Eine Welt konkret: Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnasium Damme und „Delia Gambarte de Quezada“, Damme, o.J. (2008)
Oestmann, Hans-Joachim et al. (Red.)/Gymnasium Damme (Hg.): Jahrbücher des Gymnasiums  Damme 1995-97, 2001ff, ebd. (s. entspr. Jahr)
Ostendorf, Franz/Pusch, Wolfgang (Bearb.)/Gymnasium Damme (Hg.): Gymnasium 1972. Informationen, Damme 1972
Stadtmuseum Damme (Zusammenstellung): Materialien zum Gymnasium Damme, vorwiegend Presseartikel-Sammlung, ebd. 1964ff

 

Wolfgang Friemerding

 

 

 

Festakt zur Eröffnung des Gymnasiums Damme am 18.04.1966 im Kolpinghaus ; am Rednerpult der erste Schulleiter Heinz Holtvogt, in der ersten Reihe v.l. Bürgermeister Heinrich Wolking, Pastor Bernhard Kohake, Landrat Franz Hellmann, Gemeindedirektor Dr. Franz Holthaus, die ersten Lehrer des Gymnasiums Gottfried Krebeck, Johannes Funke, Franz Ostendorf, dann OV-Chefredakteur Hermann Klostermann. (Foto aus dem Archiv des Stadtmuseums Damme)

 

 

Das Gebäude der ehemaligen Volksschule Damme an der Gartenstraße, das 1966/67 die ersten Klassen des neu gegründeten Gymnasiums aufnahm, hat eine interessante Geschichte. Nachdem die Volksschule 1953 einen Neubau an der Marienstraße erhielt, kam für sieben Jahre die Mittelschule für Jungen, dann für sechs Jahre die Mittelschule für Mädchen, für zwei Kurzschuljahre das Gymnasium und anschließend die Sonderschule in das Gebäude (Aufnahme 1956). (Foto aus dem Archiv des Stadtmuseums Damme)

 

 

 

Drei Ansichten des Gymnasiums Damme und eine von der zugehörigen Sporthalle (oben rechts) sind 1971 auf einer Postkarte vereinigt. Alle zeigen Perspektiven der vier Trakte oder Bauabschnitte von der Zufahrtsstraße Nordhofe aus. (Foto aus dem Archiv des Stadtmuseums Damme)