Werte und Normen

Gesetzliche Grundlage für das Fach Werte und Normen
Auguste Rodin, Der Denker

 

Die gesetzliche Grundlage bildet das Niedersächsische Schulgesetz (NSchG) § 128 „Unterricht Werte und Normen“:


(1) Wer nicht am Religionsunterricht teilnimmt (Anm. d. Redaktion: betrifft SuS, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, vom Religionsunterricht abgemeldet sind oder für deren Bekenntnis kein Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach eingerichtet ist), ist stattdessen zur Teilnahme am Unterricht Werte und Normen verpflichtet, wenn die Schule diesen Unter-richt eingerichtet hat. Für diejenigen, für die Religionsunterricht ihrer Religionsgemeinschaft als ordentliches Lehrfach eingeführt ist, entsteht die Verpflichtung nach Satz 1 erst nach Ablauf eines Schuljahres, in dem Religionsunterricht nicht erteilt worden ist. Die Schule hat den Unterricht Werte und Normen als ordentliches Lehrfach vom 5. Schuljahrgang an einzurichten, wenn mindestens zwölf Schülerinnen oder Schüler zur Teilnahme verpflichtet sind. (Anm. d. Redaktion: Gegebenenfalls muss der Unterricht klassen- oder jahrgangsübergreifend eingerichtet werden, jahrgangsübergreifenden Unterricht ist  bei uns am Gymnasium Damme zur Zeit in der Unterstufe der Fall.) In der gymnasialen Oberstufe, ... kann die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht Werte und Normen auch durch die Teilnahme am Unterricht im Fach Philosophie erfüllt werden, wenn die Schule diesen Unterricht eingerichtet hat.
(2) Im Fach Werte und Normen sind religionskundliche Kenntnisse, das Verständnis für die in der Gesellschaft wirksamen Wertvorstellungen und Normen und der Zugang zu philosophischen, weltanschaulichen und religiösen Fragen zu vermitteln."

... Was sind eigentlich Werte? ... Was sind eigentlich Normen?

 

Das Fach heißt in Niedersachsen Werte und Normen.
Geld hat einen Wert (z. B. 1 Euro), mein Motorroller hat einen Wert, mein Handy hat einen Wert, mein Computer ebenfalls; es gibt mathematische Werte, ökonomische Werte,  Regeln bei der  Gestaltung einer Facharbeit in der Oberstufe, … ein Blatt Papier ist ebenso genormt (z. B. DIN-A-4) wie KFZ-Schilder; Schrauben sind genormt, Tische, Stühle in der Schule und auch sonst: Dinge des alltäglichen Lebens wie Dosen, Flaschen usw., WC-Becken, Grillgeräte, Babyschnuller und vieles andere mehr, Verkehrsregeln, die Norm, sich an der Kasse im Supermarkt ans Ende einer Schlange anzustellen… –  das oder anderes fällt einem vielleicht spontan zu den Begriffen Werte und Normen ein.

Werte und Normen spielen in unserem Leben eine wichtige Rolle: gäbe es sie nicht, fehlte uns in unserer Gesellschaft eine gewisse Regelmäßigkeit und Passgenauigkeit. Sie machen unser Leben nachvollziehbar, so dass wir uns untereinander überhaupt verständigen und sinnvoll agieren können. Ohne diese Werte und Normen würde „Chaos“ herrschen und wäre eine Verständigung untereinander sehr schwierig bzw. unberechenbar oder sogar unmöglich.

Oft hört man Klagen über „Werteverluste“ oder die Verletzung von „Verhaltensnormen“. Hier sind die o. g. Begriffe dann jedoch offensichtlich in einem anderen Sinne gebraucht als z. B. der  Geldwert oder die DIN-Norm, geht es  hier doch um die Begriffe Werte und Normen im ethisch-moralischen Sinn wie sie z. B. die Werte Gerechtigkeit, Wahrheit, Freiheit und Gleichheit darstellen und die Normen, die im Grundgesetz, den Menschenrechten, den Zehn Geboten und der Goldenen Regel zum Ausdruck kommen.

Werte und Normen sind hier Grundsätze und Zielvorstellungen bzw. Grundprinzipien und Verhaltensregeln, die ein Individuum oder eine Gesellschaft als erstrebenswert bzw. verbindlich anerkennt, sie sind ein Orientierungsmaßstab, um Dinge, Situationen und Erfahrungen auf ihre Bedeutung hin zu beurteilen.

Werte und Normen erfüllen ihre Funktionen zu allen Zeiten, in allen Kulturen und Gesellschaften, in jeder sozialen Gruppierung und auch in jeder Religion.

Im Kerncurriculum zum Fach Werte und Normen heißt es u. a.:
Das Unterrichtsfach Werte und Normen leistet einen gewichtigen Beitrag, um den Ansprüchen gerecht zu werden, die der § 2 des Niedersächsischen Schulgesetzes formuliert. Dem dort verankerten Ziel, „(…) die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage des Christentums, des europäischen Humanismus und der Ideen der liberalen, demokratischen und sozialen Freiheitsbewegungen“ weiterzuentwickeln, trägt das Fach Werte und Normen in besonderem Maße Rechnung.

Daraus ergeben sich die

Ziele des Faches

 

-    Entwicklung und Stärkung der eigenen Persönlichkeit

Wer sich wundert, stellt ganz einfache Fragen:
-    Wer bin ich?
-    Wo komme ich her?
-    Wo gehe ich hin?
-    Bin ich in meiner Person unverwechselbar oder nur einer unter vielen?“
     (Autor: unbekannt)


-    Förderung der Selbständigkeit und Eigenverantwortung
-    Befähigung zu ethischer Urteilsbildung
-    Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung

Bestimmte Fragen stellt sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens einmal:

-    Bin ich als Mensch etwas wert?
-    Habe ich ein eigenes „Ich“, eine eigene Identität?
-    Gibt es einen Gott oder nicht?
-    Gibt ein Leben nach dem Tod und wenn ja, wie sieht dieses Leben aus?
-    Was ist der Sinn des Lebens?
-    Warum soll ich moralisch sein?
-    Was ist der Mensch?
-    Was ist die Wahrheit?
-    Ist es mir erlaubt zu lügen? Darf ich eine Notlüge gebrauchen?
-    Ist es mir erlaubt zu töten, wenn ja, in welcher Situation?
-    Ist es mir erlaubt zu stehlen?
-    Bin ich für alles im Leben, was ich tue, selbst verantwortlich?
-    Ist in der Moral alles relativ bzw. oder gibt es etwas Letztes, Allgemeingültiges, Unbedingtes, das zu allen Zeiten und an allen Orten in gleicher Weise gelten sollte?
-    Habe ich einen freien Willen?
-    Habe ich als Kind Rechte?
-    Haben die anderen Religionen Unrecht?
-    Haben alle Religionen Recht?
-    Glaube ich nur das, was ich sehe oder gibt es auch etwas, was ich nicht sehen kann?
-    …

 

Diese Fragen zeigen, worum es im Fach Werte und Normen geht:

Es geht um Fragen und Themen, die unser Leben selbst schreibt, die jedem Menschen früher oder später in seinem Lebenszusammenhang in den Sinn kommen, die jeden Menschen früher oder später betreffen, wobei wir häufig gar nicht merken, dass wir uns hier mit „philosophischen“ Fragen und Themen auseinandersetzen (z. B.: „Habe ich richtig gehandelt, als ich meine Mutter  bezüglich der Übernachtung bei meiner Freundin belogen habe: wir waren nämlich im Konzert, was meine Mutter mir niemals erlaubt hätte?“, „Ist die Welt für die anderen wirklich genau so, wie ich sie sehe, oder sieht mein Nachbar sie vielleicht ganz anders?“, „Wo hört meine Freiheit auf, wo beginnt die des Nächsten?“, „Wie kann ich an einen Gott glauben, der so viel Leid in der Welt zulässt?“, „Sehe ich meinen Nächsten genau so wie ihn z. B. ein Arzt, ein Naturwissenschaftler, ein Atheist, …).
Wir stellen die gleichen Fragen wie sie sich die Vertreter der Religionen, die Gläubigen der verschiedenen Religionen und auch die Philosophen stellen, nur tragen Philosophen ihre Gedanken und Vorstellungen systematisch zusammen, schreiben sie auf und vergleichen sie mit den Vorstellungen anderer Philosophen.
Aber auch Wissenschaftler stellen sich diese Fragen im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Forschungen (z. B. fragt der Gentechniker vielleicht, ob es ethisch gerechtfertigt ist bzw. sein sollte, alles zu machen, was gentechnisch machbar ist, oder der Neurobiologe fragt, inwiefern der Mensch für alle seine Taten verantwortlich gemacht werden kann, was wiederum der Gesetzesgeber in der Bemessung seines Strafmaßes zu berücksichtigen hat.)

Man kann aus solchen Fragen folgende Fragestellungen für das Fach Werte und Normen ableiten:

1.    Fragen nach dem Ich
2.    Fragen nach der Zukunft
3.    Fragen nach Moral und Ethik
4.     Fragen nach der Wirklichkeit
5.    Fragen nach Religionen und Weltanschauungen

Man kann die dem Fach Werte und Normen zugrundeliegende Problematik aber auch  nach den vier berühmten Fragen von Immanuel Kant einteilen:

1.    Was können wir wissen? (Erkenntnistheorie)
2.    Was dürfen wir hoffen? (Metaphysik)
3.    Was sollen wir tun? (Ethik)
4.    Was ist der Mensch? (Anthropologie)

Raffael, Ausschnitt aus "Die Schule von Athen" (um 1510)
Bezugswissenschaften zum Fach

 

Das Unterrichtsfach Werte und Normen bezieht sich in erster Linie auf Problemstellungen
-    der Philosophie,
-    der Religionswissenschaft,
-    der Gesellschaftswissenschaften wie z. B. Politik, Geschichte
aber auch auf Inhalte der Fächer wie
-    Deutsch
-    Latein
-    Französisch
-    Englisch
und auf Inhalte der Fächer
-    Biologie
-    Mathematik
-    Chemie
-    Physik u. a.

 

 

Werte und Normen bzw. Philosophie im Berufsleben

 

Auch im Berufsleben spielen heute Kenntnisse aus dem Fach Werte und Normen (bzw. Philosophie oder Ethik) eine immer wichtigere Rolle: so erfordern z. B. Unternehmensentscheidungen nicht nur ein Verständnis für Wirtschaft, sondern darüber hinaus auch einen Blick für politische und gesellschaftliche Zusammenhänge, da die Grenzen zwischen den einzelnen Bereichen verschwimmen. Es geht zum großen Teil um globalere und komplexere Probleme als früher, die zu analysieren und zu kreativ zu lösen sind.
Deshalb spielt bei vielen Berufen heute das philosophische Verständnis eine Rolle. Dem tragen schon viele entsprechende Studiengänge Rechnung, z. B. der Studiengang „Management, Philosophy & Economics“, „Philosophy and Economics“. Die Beschäftigung mit Fragen der Philosophie, der Ethik und der Logik, alles Bereiche, mit denen sich das Fach Werte und Normen befasst, schärft mit ihrer philosophischen Grundsätzlichkeit die Analysefähigkeit. Heute werden eben vielfach Menschen gebraucht, die schwierige Entscheidungsprobleme in Unternehmen, Verbänden, Körperschaften, internationalen Organisationen, Parteien, Stiftungen oder Gemeinwesen mit analytischer Grundsätzlichkeit angehen können.
Zur weiteren Information vgl.:

Redaktion der Seite

G. Holst (HOL), hol(at)gymnasium-damme.de, Stand 28.09.15

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Die Fachgruppe

Die Kolleginnen und Kollegen des Fachbereiches sind:

Gabriele Holst

Martin Schulze